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Fluchttendenzen

Eigentlich ist es total abstrus: Du führst die “perfekte“ Beziehung und mit der Realisierung dessen zieht es dich innerlich ganz weit weg. Hast das Gefühl (!)1, dass um dich herum alles in Zement gegossen und vergittert wird. Nicht mit dem was getan, sondern dem was gesagt wird.

Ich meine, deswegen komme ich mit dem Satz “Ich liebe dich.“ nicht wirklich klar. Denn Liebe währt – meiner Meinung nach – ewig2, während Paarbeziehungen immer zeitlich begrenzt sind. Außer beide Partner sterben zeitgleich. Wenn der Satz in einer Beziehung fällt, überträgt sich das Gefühl der Ewigkeit auf die Wahrnehmung dieser und das… passt für mich nicht. Partnerschaften kippen schneller als man “Haha, was du für einen Quatsch erzählst.“ sagen kann. Nicht umsonst habe ich gestern wie ein Bescheuerter rumgerödelt um meine Wahrnehmung zu beschreiben, ein Missverständnis zu klären und den Zug zurück auf die Strecke zu bekommen.3

Ich meine, der Satz ist doch so… klischeehaft?! Ich habe meiner Freundin in der Diskussion dieses Themas vorgeschlagen, wir könnten stattdessen einfach etwas anderes sagen. Zum Beispiel “Ich bin eine Biene.“. Das wäre persönlich, individuell und würde etwas bedeuten. Denn was steht hinter “Ich liebe dich.“? Ich wette, das kann mir keiner beantworten. Oder sagen wir: Nicht in einer allgemeingültigen Version.

Ich meine, ich weiß nicht einmal was er für meine Freundin genau heißt. Er ist ihr fundamental wichtig, wäre bei Nichtsagen ein Trennungsgrund und gibt ihr – vermutlich – die Gewissheit des Fortbestehens der Beziehung.4

Für mich hingegen ist er der Ausdruck von maximaler Freiheit in Gegenwart einer anderen Person. Eine Beziehung steht (für mich) dem diametral gegenüber. Verpflichtungen, Regeln, Unterstützung, Erwartungen. Ich meine, ich habe in der Hinsicht wirklich herausragendes Glück, kann ich mir weite Teile Autonomie erhalten. Aber eben nicht alle. Was wahrscheinlich auch gut (oder zumindest nicht schlimm) ist, seinen Zweck hat und andere Vorteile mit sich bringt, bei mir aber sporadisch „Beklemmungen“ auslöst.

Wie lässt sich ein derartiges Problem lösen? Man schluckt.
Für mich passt der Satz nicht in eine Beziehung5, für sie ist er fundamental. Ich würde eher “Du bist mir wichtig, ich finde dich hochgradig attraktiv, möchte dich glücklich machen und weiterhin mit dir zusammen sein.“ sagen. Denn das sagt auch wirklich etwas aus und beinhaltet Sachen wie Loyalität, Treue, Sicherheit, Interesse, Rücksichtnahme und damit auch das Vernachlässigen einzelner autonomer Anteile. Denn das gehört zu einer Beziehung dazu. Mittlerweile würde ich den Teilsatz “und dass du mich ebenso glücklich machst.“ hinzufügen. Denn eine „gesunde“ Beziehung läuft immer in zwei Richtungen. Und selbst, wenn ich zum Großteil durch das Glücklichmachen des anderen schon glücklich werde… sagen wir, ich bin dabei meine eigenen Bedürfnisse zu entwickeln und kommunizieren zu lernen.

To make a long story short: Wenn ich davon ausgehe, dass ihr “Ich liebe dich.“ meinem “Du bist mir wichtig, ich finde dich hochgradig attraktiv, möchte dich glücklich machen, weiterhin mit dir zusammen sein und dass du mich ebenso glücklich machst.“ entspricht, übersetze ich meinen Satz in “ihre Sprache“6, sage ihn ihr zu Liebe7, lebe mit dem Stich8 und fertig.

Der – persönlichkeitstechnisch gesehen – neue Part “und dass du mich ebenso glücklich machst.“ war dann die gestrige Streitursache. Phasenweise ziemlich mies, wenn Sachen wie “Dann such dir halt eine andere.“ fallen, aber mit entsprechendem Aufwand und Aufzeigen eigentlicher, dahinter liegender Bedürfnisse erfolgreich geklärt.

Das Übel von Beziehungen. Dass man dort nicht einfach aufsteht und geht.9 Zumindest nicht ohne einen Amoklauf und das Ende der Beziehung zu riskieren.10 Vielleicht sollte ich das üben: Es falls notwendig öfter darauf ankommen lassen.

Robby, mag Symbole lieber als Sprache

  1. Merke: Gefühl ist nicht immer gleich Wirklichkeit. []
  2. Hach, welch idealistisch-naiver Gedanke :D []
  3. Ja, es gehören immer zwei dazu, aber den Hauptanteil sehe ich dennoch bei mir. Wie viel ich mir da wieder aus der Seele kotzen musste… []
  4. Eine Gewissheit, die es nicht gibt. []
  5. Und ich brauche ihn auch anderweitig nicht hören. Taten sprechen für sich. []
  6. Die Landkarte ist nicht die Landschaft. []
  7. Das ist das Konglomerat aus “Du bist mir wichtig“ und “Ich möchte dich glücklich machen.“ []
  8. Verzicht auf Autonomie und persönlich anderer Sinngehalt des Satzes. []
  9. Wenn ich mir da andere Konflikte anschaue *hehe* []
  10. Das zerreißende Ziehen zwischen Autonomie und Sicherheit. Gottverdammte Abhängigkeit… []

Sorry, aber ich muss gerade lachen:

Das endgültige Sicherheitskonzept hat der Duisburger Panikforscher Michael Schreckenberg mitverantwortet. Er verteidigte im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE die Planung. Der Tunnel, in dem es zur Massenpanik gekommen war, sei groß genug ausgelegt gewesen, sagte der Professor für Physik von Transport und Verkehr, der mit seinem Kollegen Kai Nagel als einer der Pioniere der Stauforschung gilt. Mit stürzenden Menschen hätten die Organisatoren nicht rechnen können: “Das ist das Werk von Einzelnen.” So etwas könne man nicht vorhersehen. “Das ist ein tragisches Unglück, dagegen kann man sich bei einer Masse nicht wappnen.”

((Quelle: Spiegel Online))

Auf seiner Seite steht zwar, dass der gute Mann das menschliche Verhalten berücksichtigt, die oben genannten Ausführungen allerdings… lassen mich wirklich nur lachen. Ich möchte nicht sagen, Professor für Physik von Transport und Verkehr sagt schon alles1, aber zumindest die zitierten Sätze. Ich meine, man kann natürlich nicht vorhersehen, dass bei 1,4 Millionen Menschen sich nicht alle so verhalten, wie man das zuvor berechnet hat. Das es bei 1,4 Millionen Menschen keine Ausreißer gibt, sondern sich natürlich alle vollkommen konform und kontrolliert verhalten.

Sorry, aber wer so etwas als “Panikforscher” von Menschen, nicht Atomteilchen, denkt, greift absolut zu kurz. Gerade weil es das Werk von Einzelnen ist, das man bei der Masse an Menschen nicht ausschließen kann, muss man Gegenmaßnahmen ergreifen.

“Aus mathematischen Gesichtspunkten ist das alles groß genug. Dass es in der Realität natürlich seltenst nach Plan läuft und man sich flexibel auf Situationsveränderungen und Abweichungen einstellen muss, lassen wir mal außen vor. Denn 1,4 Millionen Besucher und alle Sicherheits- und Weisungskräfte handeln vollkommen rational und modellkonform.”

Ich meine, ich möchte dem guten Mann ja gar nicht seine Kompetenz abstreiten. Nur hat er – in diesem Fall – anscheinend einfach zu kurz gedacht. Beziehungsweise ist es schön und gut, wenn man einen Physiker zur Berechnung der “Moleküle” und ihrer Bewegung zu Rate zieht, nur sollte man den menschlichen Aspekt und nur bedingt kontrollierbaren Faktor nicht außer Acht lassen. Und dafür gibt es Arbeitsteilung und unterschiedliche Berufsgruppen. Wobei die dafür nicht einmal notwendig sind, sondern man sich nur mal ausmalen muss, wie abertausende Menschen durch einen engen Tunnel laufen. Nicht wenige alkoholisiert, zugedröhnt, dehydriert und in vielleicht trance-ähnlichen Zuständen. Aber das ist ja vermutlich zu unwissenschaftlich.

Sorry, aber wer derartige Verhaltensweisen – das jemand über Absperrungen, Zäune und dergleichen klettert und das möglicherweise auch unerfolgreich -, nicht einkalkuliert… Ich meine das schreit geradezu danach, dass irgendjemand einen Alternativweg sucht um schneller an sein Ziel gekommen.

Ich bin schon als Kind über Zäune geklettert. Professor Schreckenberg vermutlich nicht.

Robby, kann nur den Kopf schütteln

  1. Oder die Bilder von ihm, die ebenfalls einige Eigenschaften vermuten lassen. []

Loveparade-Katastrophe

Auch wenn für den Eintrag Steine fliegen dürften, komme ich nicht umher ein kurzes Statement zu den Vorkommnissen in Duisburg zu schreiben.

Schlimm? Ohne Frage.
Unnötig? Ja.
Absehbar? Anscheinend.
In dem Maße weltbewegend wie viele tun? Wohl kaum.

Ich möchte die Auswirkungen auf einzelne Familien oder Personengruppen gar nicht in Abrede stellen, gerade was Einzelschicksale und persönliche Geschichten anbetrifft, bin ich sehr empfindlich und empfänglich. Statistisch allerdings gesehen: 18 von 1.400.000. Nominal gesehen ein irrelevanter Bruchteil, der – wenn ich es böse auf den Kern runterbreche – den Fortbestand der eigenen Spezies nicht bedroht. Ehrlich gesagt würde mich interessieren, wie die Statistiken der vorherigen und/oder ähnlicher Veranstaltungen aussehen, wäre ein unbeschadetes Überstehen aller Teilnehmer… nun ja, arg unwahrscheinlich.

Seien wir doch mal ehrlich: Der eigentliche Aufhänger ist das Zustandekommen. Eine – wie ich bisher wahrgenommen habe – eigentlich absehbare und kalkulierbare Massenpanik entsteht. Bei derartigen Menschenmassen ist die bisherige Zahl in meinen Augen sogar “recht überschaubar”. Tragisch, unnötig und mehr und minder weitreichend – ich möchte die Folgen gar nicht herunter spielen – aber: Passiert. Das eigentliche Perverse daran ist die mediale und politische Ausschlachtung. Natürlich gilt es derartige Vorkommnise zu vermeiden beziehungsweise nicht derart zu provozieren, aber…

Wer nimmt wirklich Anteil an den Opfern und Angehörigen und haut das nicht nur als leere Phrase in den Wind? Und das frage ich (mich) ernsthaft. Denn ich für meinen Teil kann mir die Auswirkungen vorstellen, aber anteilnehmen: Nö. Wie(so) auch? Dazu müsste ich jemand Betroffenen persönlich kennen. Tue ich nicht, weiter geht’s. Da kann mir jemand vorwerfen ich sei ein schlechter Mensch, oder sonst etwas, aber so weit reicht meine Identifikation oder Verbundenheit doch nicht.1

Wer nimmt wirklich Anteil an den Opfern und Angehörigen und haut das nicht nur als leere Phrase in den Wind? Vor allem seitens der Politiker. Ich meine, die müssen das sagen, so funktioniert das Spiel. Nach jedem Amoklauf, nach dem Selbstmord von “wichtigen Persönlichkeiten” wie Robert Lemke Enke und ähnlichen Tragödien nimmt die Politik Anteil. Mehr aber anscheinend auch nicht. Oder anders: Statt Anteil zu nehmen – sei es echt oder rollenkonform gespielt – sollten die Damen und Herren lieber zusehen, dass das System ordentlich läuft und solche Vorfälle möglichst vermieden werden. Wobei sie nicht unvermeidbar sind: Paniken, Amokläufe, Selbstmorde passieren. Letztere im Schnitt 30 mal pro Tag. Wo und wie nimmt die Politik (und Medienwelt) da Anteil, wo und wie wird etwas dagegen unternommen?

Und diese Doppelmoral ist es, die mich zynisch am Rand stehend den Kopf schütteln lässt. Dafür muss ich keine sterbenden Kinder irgendwo auf der Welt auf die Bühne ziehen, da reichen Vergleichsfälle. Und zumindest im Falle Robert Enkes waren und sind die mehr als vorhanden. Aber es kümmert niemanden, außer vielleicht jene, die mit der jeweiligen Person in Verbindung standen. Hat das Ganze aber Eventcharakter, stirbt eine wichtige Person wie Robert Enke (!), verfallen alle in Anteilnahme und Trauer. Oh please…

Da kann mir jemand sagen, was er will, aber ich finde das heuchlerisch. Entweder ich nehme an dem Unglück der gesamten Menschheit (oder auch nur beliebigen Untergruppe) teil, oder ich tue es nicht. Aber plötzlich irgendwo so… naja, ich möchte nicht sagen so zu tun, vielleicht bin ich auch nur zu wenig damit identifiziert. Anyway: Für Menschen, die ich weder kenne noch mit denen ich in direkter Interaktion stehe, hält sich meine Anteilnahme in Grenzen. Ich meine, ich helfe alten Omis aus der Straßenbahn, helfe Leuten beim Aufheben umgeworfener Sachen oder biete Müttern Hilfe beim Treppen-Hochtragen ihrer Kinderwagen an. Da nehme ich Anteil am Leben von Menschen, die ich nicht kenne. Und ich würde auch Anteil nehmen, wenn jemand neben mir umkippt und um sein Leben kämpft, ohne Frage. Aber was mit Omis, Müttern mit Kinderwägen und so weiter außerhalb meiner Reichweite ist: Not my business.

An alle Anteilnehmenden: Gebt eure Anteilnahme lieber jemanden aus eurem Umfeld. Euren Eltern, Großeltern, Geschwistern, Kindern, Verwandten, Freunden und Bekannten. Dem Menschen, dem ihr auf der Straße über den Weg lauft, dem Obdachlosen, an dem ihr vorbei geht oder – und jetzt wird es spannend: einem Menschen, der euch innerlich tief verletzt hat. Jeder dieser Einzelnen wird euren “Moment der Anteilnahme an der Duisburger-Loveparade-Katastrohpe” wohl gebrauchen können. Aber vermutlich wäre das zu normal, alltäglich und unspektakulär. Für mich ist und bleibt es scheinheilig.

Aber vielleicht ist ja generalisierte Reziprozität die Ursache dafür: “Ich nehme Anteil an den eventbedingten Schicksalen anderer, damit andere es im Falle meines Falles auch täten.” Was wiederum die eigene Wertigkeit und Wichtigkeit für die Gesellschaft in den Vordergrund rücken würde. Nun ja, nur eine Überlegung.

Robby, angewidert2

  1. Aber dazu gleich mehr. []
  2. Und ja, ich warte auf die Kommentatoren die mir mitteilen, wie angewidert sie doch von meiner Ansicht sind: Cry me a river. Und nehmt lieber Anteil an eurem Umfeld als an medialen Events, Heuchler! :p []

Reden wir über Sex

Miteinander zu reden und Sex haben unheimlich viel miteinander gemein. Zumindest dann, wenn man es “richtig” anstellen will. Aufmerksamkeit ist der Schlüssel. Darauf zu achten, was der andere einem mitteilt. Sich darauf einzustellen, seine weitere Vorgehensweise daran anzupassen und das Gespräch zum Erfolg führen.

Männer haben es da meistens weit schwieriger. Während es für Frauen meist reicht einfach drauf loszuquatschen, müssen wir Männer in jeder Sekunde auf unsere Worte acht geben, in Sekundenbruchteilen durch Nadelöhre schlüpfen, uns auf den Kopf stellen und bei jeder Konversation die Knöpfe in einer anderen Reihenfolge drücken. Wobei es auch da mit Sicherheit Ausnahmen gibt und ebenso unter uns Individuen gibt, die tiefgründige Gespräche bevorzugen.1

Mein Chef meinte mal: “Wenn du wissen willst wie zwei ihre Beziehung führen, schau an, wie sie miteinander schlafen.”2 Ich möchte jetzt nicht sagen “Das stimmt.”, aber es ist mindestens etwas dran. Ich meine es finden sich die selben Muster wie auch sonst wieder. Deswegen wird aus einem Macho-Arschloch im Bett nur sehr schwer ein Schmusebär, aus einer lieben Mutti als Partnerin keine geile Schlampe und der Traumprinz wird auch nur schwerlich zum sich einfach nehmenden Stecher mutieren. Nicht, dass es unmöglich wäre, aber herausfordernd. Und wie überall gilt wohl auch hier das Streben nach Balance.

Oh, das Wissen ob dieser Muster erlaubt so viel Erkenntnisgewinn.

Es soll ja auch einen Zusammenhang zwischen Tanzen und Sex geben. Habe ich schon gesagt, dass ich beim Tanzen viel Spaß habe :D 3

Robby, Glow!

  1. Oh ja, ich liebe es so subtil, mehrdeutig verrucht über Sex zu reden *cheer* []
  2. Umgekehrt ließe sich ja anhand der Interaktion dann auf mögliche Begegnungen auf sexueller Ebene schließen. []
  3. Wie das aussieht und ob man das überhaupt tanzen nennen kann, ist noch mal eine andere Sache. Aber solange man den Spaß rüberbringen kann ;) []

Das “Problem” der Produktivität ist: Es macht Spaß, du bist gut dabei, du schaffst etwas, bis erfolgreich und erledigst deine Aufgaben. Und dann kommt das Loch. Nichts, was du noch tun kannst, nichts. Selbiges gilt für Menschen. Schöne Zeit, Dunkelheit.

Ich hoffe, dass das mit meinem Start ins Berufsleben anders, ausgeglichener wird. Gerne auch normal, zumindest in weiten Teilen. Diese Lichtschalterspielchen kosten mich zu viel Energie.

Robby, macht jetzt was

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