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Schreib mir was – I

“Scheiß Wetter.” murmelte er in seinen verregneten Drei-Tage-Bart. Lässig zog er an seiner Zigarette und atmete den Rauch dem schimmernden Sonnenuntergang entgegen.
Es war wie in einem dieser schlechten Filme. Er, ein einsamer Mann Ende dreißig alleine an einem Strand, irgendwo im Nirgendwo. Ein kleines verschlafenes Nest, eine handvoll Hotels, ein paar Souvenirläden an den Ecken und hin und wieder ein einheimischer Straßenmusiker, der von dem Glanz alter Zeiten sang.
„Die Zigaretten waren auch schon mal besser.“, dachte er sich und schnippte die Kippe in den Sand.
Es hatte aufgeregt zu regnen, trotzdem lag in der Luft immer noch diese Schwere. Egal, keine Zeit sich darüber Gedanken zu machen. Er wollte nicht noch mehr Zeit an diesem Ort hier verschwenden. Doch wenn nicht hier, wo dann?
Bedächtig wandte sich der einsame Wolf vom feurigen Flackern der Meeressonne ab und machte sich auf Richtung Hotel.
„Das Strandbad sah auch schon mal besser aus.“, ging es durch seinen Kopf, als er einem alten zerrütteten Gebäude vorbei kam, an dem der Putz nicht zum ersten Mal abzubröckeln schien. Auch das Schwimmbecken sah nicht besser aus, wahrlich kein Ort, an dem man Urlaub machen möchte.
Aber er war auch nicht hergekommen um Urlaub zu machen.
Ihn hatte es hier her verschlagen, weil andere das wollten, sie ihn dafür bezahlten.
Es war ein Auftrag von vielen, einer dieser, die man nicht mag, aber machen muss, um über die Runden zu kommen.

Nein, er war kein Privatdetektiv, er war Hotelkritiker.
Zumindest gab er das an, wenn er gefragt wurde, was er so verlassen in einem noch verlassenären Örtchen wie diesem zu suchen hätte.
Neugierig waren die Menschen, aber das waren sie überall. Auch wenn er nicht überall Hotelkritiker war. Er hatte viele Gesichter und gleichzeitig doch kein eigenes.

Das Hotel war hell erleuchtet. Nicht das, was man sich wünscht, aber annehmbar und in weitaus besserer Verfassung als vieles andere in dieser Stadt.
Der Rezeptionist begrüßte ihn freundlich bei seinem Namen und erkundigte sich, ob sich denn der Ausflug gelohnt hätte.
„Immer diese Neugier.“, dachte der Kopf.
„Durchaus.“, sprach der Mund mit ruhiger und kühler Miene.
Er nahm seine Schlüssel, wünschte noch einen schönen Abend und ging nach links in Richtung Bar.
„Das Frühstücksbuffet eröffnet morgen übrigens erst eine halbe Stunde später.“ hörte er hinter sich, drehte sich kurz um und nickte bestimmt.

Leicht gedimmtes Licht, ein wuseliges Stimmengewirr, was sie sagten, hörten, wollten – er konnte es nicht verstehen, aber es interessierte ihn auch nicht, die Erzählungen dieser Touristen oder das Turteln dieser jungen verliebten Paare.
Er bestellte ein Bier und setzte sich an die Theke, auf einen dieser selten stilvollen Barhocker. Seine Augen wanderten durch den Raum, von Mann zu Mann, von Frau zu Frau. Weniger um zu sehen, was sie sagten, sondern eher, wie sie sich verhielten, das, was sie ihm wortlos mitteilten.
Plötzlich fühlte er etwas in seinem Rücken. Seine geschärften Sinne rieten ihm zur Vorsicht, aber er wusste, dass von der Dame hinter ihm keine wirkliche Gefahr ausging.
Sie legte behutsam ihre Hand auf seine Schulter – wie man sich doch täuschen kann. Ein wohliger Schauer fuhr durch seinen Körper und doch war er gleichzeitig wie gelähmt, vermochte sich nicht umzudrehen.
„Morgen vor Sonnenaufgang beim Pavillion am Strand.“ flüsterte sie ihm ins Ohr.
Oder war es doch eher ein hauchen? Seine Sinne waren benebelt.
Er bemerkte, wie sie von ihm abließ und ihn doch noch flüchtig berührte.
„Nur gestriffen, aber doch getroffen.“, schoss es ihm in seinen Kopf.
Wer war sie? Sein Blick drehte sich, sah aber nur noch dieses atemberaubende blaue Abendkleid, welches sich an einen formschönen Frauenkörper schmiegte.
„Das Zimmermädchen?“, konnte er seinen Augen trauen? Dieses kleine, unschuldig ausschauende Ding in solch einem Kleid? Statur, Haare und Gang – alles passte.
Hatte sie etwas mit dem Fall zu tun?
Fragen über Fragen taten sich in seinem Kopf auf. Er zückte das kleine lederne Fotoalbum, das er von seinen Auftraggebern erhalten hatte, mit der Hoffnung, vielleicht dort einige Antworten und Hinweise zu finden.
„Eine Perlenkette, warum zur Hölle solch einen Aufstand wegen einer Kette.“
Einer Kette, die nicht einmal sonderlich schön war, wie die unzähligen Fotoaufnahmen bewiesen. „Und warum hier, in diesem unbedeutendem Ort.“ – das alles machte keinen Sinn.

Er trank seinen letzten Schluck Bier, verabschiedete sich vom Barkeeper und machte sich gedankenversunken Richtung Ausgang.
Er ging, ein anderer kam.
„Was für ein Spaten.“, dachte er sich, löste jedoch wieder seinen misstrauischen Blick und ging auf sein Zimmer.

to be continued… vielleicht

Danke an Cati für die Anreize, hab’ mal eben kurz versucht, bissl was draus zu machen.
Genreangaben, Hauptpersonen und Namen wären in Zukunft allerdings förderlich, denk’ ich :mrgreen:
Hmm, ja.

Robby, first try

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3 Responses to “Schreib mir was – I”

  1. on 01 Mai 2007 at 17:29 Cati

    :mrgreen: Also ich finde die Geschichte schon echt gelungen! Aus dem Spaten sollte man vielleicht was mit “Mord” oder so machen. Deine Wortwahl und Satzkonstellation finde ich sehr stimmig. Liest sich gut! Ich könnte mir Richtung Krimi weiter gut vorstellen. Er könnte Bill heißen, Sie Paula. Joa, das find ich nicht schlecht. Ungefähr nochmal soviel Text und dann könnte die Geschichte enden?!

  2. [...] 2007: Robby startet den Versuch eine Kurzgeschichte zu schreiben, aus von mir vorgebenen Stichwörtern [...]

  3. [...] mit geschlossenen Augen um und werfe. Werfe mit Wurfmessern, Dissonanz, Feuerbällen, Liebe, Hass, Geschichten (die erste und einzige bisher), Pseudowissen, Erfahrungen, Gedanken, Dummgelaber um mich – in der [...]


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