Übereinkünfte
31. Juli 2007 von Robby
Als ich eben kraftlos auf dem Bett lag (dabei hätte ich noch so viel zu schreiben), mich streckte, gehen ließ, entspannte und nebenbei “Feist – Past in present” lauschte, kam mir der Gedanke der Sprachlosigkeit.
Vor einiger Zeit (Ironie des Schicksals) hatte ich mal geschrieben (lässt sich sicher finden), dass meiner Meinung nach Anarchie nur dann möglich wäre, wenn man die Zeit abschafft. Den Gedanken hatte ich in der Straßenbahn zumindest phasenweise wieder aufgegriffen, ist an sich aber auch egal.
In anderem Kontext der explizite Lichtblitz (ja klar, es ist trivial, doch gerade deswegen achtet man seltenst drauf
) der Übereinkünfte. Sagen wir, eher das Wort Übereinkunft als die Tatsache, die sich in Fachkreisen Qualia nennt bzw. das daraus entstehende Problem.
Jeder kann sich etwas vorstellen, wenn ich “rot” sage. “Liebe” zählt ebenso dazu. Wir beide, du und ich, sagen zu etwas rot, wissen beide, dass es rot ist, nur ist die Frage, ob unsere rots die Gleichen sind?!
Ich mein, wie will man das Rot definieren, wenn nicht über seine Bezeichnung. Ist das eigene rot vielleicht des eigenen grün?! Allein die Vorstellung, die Farben eines anderen bei gleicher Verarbeitung wahrzunehmen ist irgendwie… abgefreakt bis kopfschmerzenbereitend. Wenn auf einmal alles farbig anders aussieht, aber doch den gleichen Namen trägt. Die Ampel ist dann zwar immer noch oben rot und unten grün, mit den Farben eines anderen Menschen für mich jedoch gelb und lila – oder so.
Damn, das ist schon tricky. Und bei eklatanteren Themen ja noch viel schwerwiegender. Wir reden beide von Liebe, doch was meinen wir damit? Gehen wir nicht davon aus, dass der Gegenüber genau das meint, was wir auch meinen? Suchen wir nicht die Leute, die das genauso sehen wie wir? Klar – Kellys Konstrukttheorie zum Beispiel.
Und eben jene Übereinkünfte werden über Sprache vermittelt. Sprache selbst ist ja selbst nur eine. Die folgenden “Zeichen” (auch als Buchstaben bekannt), werden als Liebe gelesen/interpretiert: ach, jetzt kann ich’s mir ja sparen, steht’s doch schon da. Oder werf’ ich eben “love” dahin, geht ja auch.
Um vielleicht endlich zur eigentlichen Aussage zu kommen: Was wäre, würde man die Sprache abschaffen?! Also neben der Zeit (oder gibt’s die dann sowieso nicht mehr, da sie sprachlich nicht verankert/mitteilbar ist?!).
Gut, ich hätte diesen Eintrag weder schreiben noch ihr ihn lesen können, aber irgendwie fand’ ich den Gedanken reizvoll. Zumindest, für den Moment.
Die Rückkehr zum Anfang. Nur noch non-verbale Kommunikationen, basale Emotionsausdrücke, Mimik, Spiele der Gesichter, Augen, Körperkontakt. Eben das eigentlich reizvolle neben dem ganzen Gerede und Gelaber. Sagen wir, in meiner Vorstellung hat die Beschränktheit die Intensitität exponentiell verfielfacht, und wie viel selbst heute noch ein richtig guter Augen|Blick anrichten kann *woohoo* – zum Glück stell’ ich mir gerade nur’n abstraktes Beispiel vor, sonst würd’s meinen Herzschlag wohl in die Höhe jagen.
Aber sowas ist schön, ja.
Sprache ist schön, und wichtig, hat der Mensch doch das Bedürfnis sich mitzuteilen, zu kommunizieren.
Ich zumindest.
Anarchie bedeutet sowas wie Freiheit (wobei auch hier: Qualia anyone?!).
Menschen haben Angst vor Freiheit, denn Freiheit ist unsicher. Menschen haben Angst vor Unsicherheit. (*argh* ich hätt’s vorhin aufschreiben sollen, als es mir durch den Kopf ging, da klang’s besser *hmpf* – aber da ja ee keiner mehr lesen kann
)
Robby, dumme Ideen
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