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Gebloggter Schatten

Ich hatte mal’n inoffiziellen Blog. Glatte 50 55 (hmm) Einträge stark – keinen mehr und keinen weniger.
Einen, für ausgewähltes Publikum. Eigentlich einer, nur für mich. Weder über den damaligen Anbieter blogger.com, mein dortiges Profil noch über irgendwelche Suchmaschinen.
Das, was dort geschrieben wurde, lasen nur die, die das sollten – niemand sonst, war seine Existenz doch unbekannt (im Gegensatz zu vereinzelt zu findenden passwortgeschützten Einträgen hier).

Und das war auch gut so.
Es war ein Abstieg in die – meine – menschlichen Untiefen. Ehrlichkeit und Emotionen pur, nicht nur oberflächenankratzend sondern tiefgehend, persönlich – mit Namem und Gesicht.
“Der moralische Abgrund des Robert W.” könnte man ihn nennen. Man könnte aber schlichtweg auch das moralisch durch ehrlich ersetzen. Oftmals nicht ganz sauber, gewissermaßen sogar krank – aber das war die damalige Situation und ist die Welt.
Ein Ort voller Sarkasmus, Zynismus und gehasster Rache – selbstgefällig – hintergründig ausgelebt, vielleicht doch eher ausgespuckt, damit ich all dies nicht in die reale Welt tragen musste. Nicht umsonst sind viele Träume dort verzeichnet.

Der Ausdruck Schatten trifft’s ziemlich auf den Punkt. Nicht nur aufgrund des dunklen Designs.
Zu alltäglichen Einträgen fiel dahinter einer in meinen privaten Blog, Bezug auf das Original nehmend, ihn erklärend oder eben ergänzend. Wie man sich das vorstellen kann?
Der Eintrag, wo der “Schattenblog” wiedermal in den Vordergrund trat, war der gestrige über den Emprakongress.
Ich mein, wen interessiert das 0815-Gelaber, dass ich auf den Fotos scheiße aussehe oder sonstwas – das sieht man auch so. Das eigentlich interessante sind doch die anderen Leute – und meine Meinung, Ansichten und Geschichten über oder mit denen. Also find’ ich – zumal’s da durchaus amüsante Sachen zu erzählen gebe, oder man Personen und Persönlichkeiten vorstellen könnte, sind doch einige Dozenten und Professoren verdammt cool.

Aber nein, das ist ein Punkt, der ist zu unsicher. Einer, der potentiell angreifbar macht oder Konflikte in der Form heraufbeschwören könnte, die einfach unnötig zu schlagen sind. Abgesehen von der Tatsache, dass es eben auch Sachen gibt, die nicht jeder über mich wissen muss – ausgewählte Personen tun das auch so bzw. bekommen entsprechendes Insiderwissen anders von mir vermittelt ;)

Hmm – irgendwie schön und zugleich gefährlich, in den alten Aufzeichnungen zu lesen. Welche, die wirklich etwas ausdrücken. Teilweise grandios bescheuerte Gedanken, die mittlerweile überholt und überlebt sind, aber was ich damals zitatetechnisch ausgegraben und gefunden habe – sind einige schöne Sachen dabei.
*wow* – es gab sogar durchaus Phasen, wo mein normaler Blog Emotionen enthielt. Oder zumindest rüberbringt – eben einen gelesen und ein Teil von mir könnte Kotzen gehen, nuja – diese Einträge sind ja auch für die breite Öffentlichkeit zugänglich, auch bei über 700 Einträgen nicht auf der Hand liegend.

Nein, die dunkle Seite war schon toll. Damals war mein Blog noch toll. Meinetwegen auch krank, gestört und bescheuert – aber so war das eben. Bei aller Schmerzhaftigkeit und anderen Erscheinungen, hatte es war.
Nicht, dass ich es nochmal bräuchte geschweige denn durchmachen wollte – nein danke -, aber es war eben nicht alles egal. Es war nicht gut, aber es war etwas – lieben, leiden, leben.

Es war kalt. Aber lieber das, als nur dieses unerträgliche Lauwarm.
Wobei… so wirklich sicher bin ich mir da nicht – und will auch nicht weiter drüber nachdenken.

Robby, blockt alte Geschichten

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