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Gedankenmeer

Es ist schlimm in sich selbst zu ertrinken. Als befände man sich in einem abgeschlossenem Raum und würde unaufhaltsam aus einem heraussprudeln. Weiter, immer, immer weiter. Man weiß, dass man es stoppen muss – sollte – aber kann oder tut es zumindest nicht. Ein Gedanke folgt dem nächsten, sie verbinden, vereinigen und vergrößern sich und ziehen eine Linie, durch die immer schneller weitere Impulse folgen, so wie der Kanal zwischen Himmel und Erde der ruckartig den Blitz nach unten fahren lässt.

Eine wahre Gedankenflut, die aus dem Mund strömt als würde man sich sprühartig übergeben. Mit dem Unterschied, dass hier nicht irgendwann Schluss ist. Geistige Bilder die so unzählig und klar sind wie die Wasserperlen im Ozean. Inhalte, die vom einzelnen Tropfen bis hin zum reißenden Strom reichen. Sie fassen zu wollen…1

Mit jedem einzelnen Gedanken steigt der Pegel. Der Raum ist nicht unbedingt klein, aber begrenzt. Verschlossen. Das Wasser steigt unaufhaltsam, die Luft wird knapper. Der Platz wird nicht weniger, aber man kann nicht mehr überall sein.

Die Decke am Kopf, nur noch der Kopf über Wasser. Die Gedanken drohen einen nicht zu zerdrücken sondern in sich aufzunehmen. So, als hätte man nie existiert. Als wäre man schon immer Wasser gewesen. Nur ein einziger Bestandteil in dieser Fülle. Als wäre man nicht mehr als ein einziger Gedanke. Ein Blinzeln. Ein Augenblick. Ein Tropfen der fällt, nur um einen Sekundenbruchteil später im Meer unterzugehen. Flüchtig und kurz.

Der Raum hat keine Türen, keine Fenster, keine Öffnung, kein Nichts. Nur sechs Wände wie ein Würfel. Ob von außen Augen auf einen gerichtet sind – man weiß es nicht, es interessiert auch keinen.

Ich ziehe an der Reißleine. Nichts verändert sich.
Der Raum bleibt kahl, die Wände ohne Türen – Fenster – Öffnung. Nichts.
Das Wasser hört auf zu steigen. Leise hört man das kreisende Surren von Motoren. Ein leichtes Flackern zieht durch den Raum, das Wasser, das Nichts. Musik tönt, zerbrechlich zart. So als würde man einen Menschen tief im Innersten mit den Fingerspitzen berühren ohne ihn auch nur anzufassen. Ein Gefühl, welches physisch nicht vorhanden ist und doch die Härchen auf der Haut sich aufstellen lässt.

Tasten drücken sich tief in den Boden. Das Gefäß füllt sich nach und nach mit Wasser. Einzelne Tropfen suchen ihr Schlupfloch, ganze Schwälle ergießen sich hinein. Ein stetiger Strom sich verbalisierender Gedanken.

Ein ganzer Raum voller Wasser.
Ich stehe daneben, schließe die Kiste und drücke Veröffentlichen. In der Hoffnung, dass es hier nun etwas mehr Platz zum Schlafen gibt. In dem Raum, der nicht unbedingt klein, aber begrenzt ist.

Robby, Wasserlager – frei für Träume

  1. Schmerzsphäre, bastih, Bundeskanzlerin, Bedeutung, Bedrohung, Aggression, Hilfe, Freundschaft, ask for friendship, Günther Jauch & Spiegel TV, Kleidung, noch mehr Bedeutung, Real Life: The Masquerade, Grundsatzdiskussionen, nachdenken, Wölfe und Schafe, 5min-Projekt, Skype, die Welt und Menschen – das System zu verstehen……………………… und all diese Dinge []

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6 Responses to “Gedankenmeer”

  1. on 05 Okt 2008 at 09:28 peter.e

    .

  2. [...] um uns sondern um den Gegenstand unserer Unterhaltung. Das zu trennen ist schwer, aber das, was mir in den Fußnoten dieses Blogeintrages unter dem Begriff Schmerzsphäre durch den Kopf ging. Eine Kuppel, die man durchtritt und doch [...]

  3. [...] nahtlos über zu den beiden folgenden Texten. Sogesehen weiß niemand, wer ich bin *hehe* Gedankenmeer war in meinen Augen eine gute Wahl, statt Lesbare Intimität hätte ich aber wohl eher [...]

  4. [...] Ich glaube, ich sollte hier eine gottverdammte Sicherheitsabfrage einrichten, ob ich denn noch “klar bei Verstand” bin oder schon geistig umnachtet. Oder zumindest mal Strg+A und Entf oder aufs Kreuzchen rechts oben drücken. Aber ehrlich gesagt, finde ich es gut so etwas aufzuheben. Solche Phasen und Momente gehören dazu. Die Augenblicke, in denen man psychisch sabbernd am Boden liegt und am liebsten zu Leere zerfallen würde. Immerhin entsteht dadurch ab und zu etwas brauchbares. [...]

  5. on 14 Jul 2009 at 21:43 Wolkenmädchen

    das beste seit langem.
    mein herz hat schneller geschlagen.
    ich hab sowas ähnliches auch schon mal geschrieben.
    du solltest öfter sowas schreiben. steht dir.

  6. on 14 Jul 2009 at 23:56 Robby

    Der Eintrag ist fast ein Jahr alt. Und davon abgesehen war ich zum Zeitpunkt des Schreibens relativ gesehen ein psychisches Wrack.
    Ungeachtet dessen: Danke.


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