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Filterbrille

Jeder Mensch lebt in seiner eigenen Welt. Zwar leben wir alle auf dem selben Planeten, aber ein jeder nimmt ihn und alles andere darauf anders war. Natürlich gibt es eine Vielzahl Gemeinsam- und Ähnlichkeiten, allein durch die Tatsache von Genetik und Sozialisation, doch gleichen sich keine zwei Menschen absolut. Nicht einmal eineiige Zwillinge. Selbst bei identischer Erfahrung und Verarbeitung, was unwahrscheinlich ist, bleiben selbst ihnen unterschiedliche Fingerabdrücke.

Wir sehen nur ein Bild. Ein Abbild der Realität, Wahrheit, das anderer Lebewesen, Tiere, Menschen und zuletzt unserer selbst. Mit etwas Glück sind wir in der Lage unsere Positionen zum Gemälde im Raum zu verändern, in andere Personen zu schlüpfen und ihre Sicht der Dinge zu verfolgen. Zumindest, soweit uns das möglich ist.

Während ich hier von sehen schreibe, gibt es Menschen, die das nicht einmal können. Wahrnehmen wäre das treffendere, allgemeinere, umfassendere Wort. Andere würden vielleicht eher auditive oder kinästhetische Terme verwenden und doch das Selbe meinen, so unterschiedlich ist das Denken und der Ausdruck dessen.

Depressionen beispielsweise sind (unter anderem) das Ergebnis negativer kognitiver Schemata. Ob man die Umwelt dabei einfach nur im falschen Licht sieht, die Dinge in den falschen Hals bekommt oder… nur das hört, was man hören will, ist eine vollkommen andere Frage. Wie man hoffentlich auch beim Lesen sieht, bin ich eher der visuelle Typ und tue mich mit dem Suchen von modalitätsfremden Termen schwer. Ich bevorzuge es mit Sprache Bilder zu malen.
Letzteres sieht bemerkt man vor allem dann, wenn man sich das Gesagte genauer anschaut. In den letzten zwei Sätzen: sieht, Suchen (macht man/ich mit den Augen) und Bilder zu malen (sieht man ebenfalls). Würde jemand anderes den selben Inhalt schreiben, würde die Verpackung möglicherweise ganz anders aussehen.1

Um die Kanäle der Verarbeitung und etwaiger Präferenzen soll es aber eigentlich gar nicht gehen, sondern um Beziehungsstress. Oftmals ist es so, dass eine große Kleinig- bis Nichtigkeit aufgrund verschiedenster Faktoren, nicht zuletzt der eigen-gewählten oder fremd-erzogenen Interpretation, eine ganze Lawine ins Rolle bringt. Das vielleicht nicht tolle, aber zumindest bemerkenswerte daran ist, dass man sich dafür eigens eine maßgeschneiderte “Die Beziehung/Du bist eine Katastrophe.”-Brille aufsetzt und fortan alles damit betrachtet. Lupenähnlich wird eine Mücke dann zum Elefanten gemacht, generalisiert, übertrieben und ausgeblendet. Was ansonsten unbeachtet bleibt, wird nun regelrecht fokussiert. Vom Einzelfall, folglich Situation und Kontext, wird auf die Person geschlussfolgert und alles andere, was darüber hinaus war, hat nie existiert.

Ja, so ist das, wenn man sich verbal ordentlich in den Haaren liegt. Die Kunst ist es, das zu erkennen und zu ändern. Auch wenn es dafür mitunter einige Schläge in Richtung des Gesichts des anderen benötigt. Metaphorisch gesprochen, um die verfärbenden Brillengläser zu zerschlagen.
In der Hoffnung, dass es nur an der Brille und nicht an den Augen liegt. Deren Sichtweise (und Verzerrung) ist wohl unweit schwerer zu verändern.

Ich will ja nicht sagen, dass ich derartige Auseinandersetzungen mag. Aber ein Teil von mir steht und stand auch gestern innerlich daneben, guckte sich das Schauspiel an, klatschte freudig-erregt in die Hände und schrie “Erfahrung, Erfahrung, Erfahrung!!!!”.
Eine, die man (bzw. sein Körper) im Moment des Erfahrens nicht gerne erfährt, aber einem danach hoffentlich weiter hilft.

Es kommt immer darauf an, was man daraus macht. Was man daraus machen kann. Denn nicht immer lässt der Körper einem da den Spielraum, den man gerne hätte. Was uns wieder zu Genen und Sozialisation bringt. Man kann sich nicht alles aussuchen, was in einem steckt – und mitunter sind da böse und hochexplosive Verkabelungen angelegt.
Wichtig ist, dass man sie kennt. Weiß, dass es sie gibt und wie man sie entschärfen oder ihre Wirkung zumindest eindämmen kann. Zumindest dann, wenn es angebracht ist. Manchmal hat man ja durchaus das Bedürfnis, alles in Schutt und Asche zu legen *hrhr*2

Was mir gestern so (wie es gleich folgt) bewusst durch den Kopf ging, ist, dass man Entscheidungen tunlichst nicht unter emotionaler Färbung treffen sollte. Zumindest dann nicht, wenn es einen farblich in kürzester Zeit wegflasht. Weder in die eine, noch in die andere Richtung.
Gefühle sind gut, wichtig und entscheidungsunterstützend – manchmal aber auch blanker Leicht- und Irrsinn. Folglich sollte man vermeiden, blind in irgendetwas hinein zu laufen. Es gibt noch andere Sinne. Und einen Kopf. Zum Nachdenken.

Ich möchte jetzt nicht von Kosten:Nutzen sprechen. Aber letztendlich sind selbst Gefühle ein Ergebnis dieser Rechnung, gekoppelt an Entscheidungen und Verhalten.

Doch nicht immer führen uns die angelegten Wege und Bahnen dort hin, wo wir eigentlich hin wollen.

Robby, analytic googles

  1. Schon wieder ;) []
  2. Und auch das gibt Erfahrung. []

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4 Responses to “Filterbrille”

  1. on 11 Okt 2008 at 02:47 sebbe

    ich mag dich auch. wann sehen wir uns wieder?

  2. on 11 Okt 2008 at 11:26 Robby

    :ugly:

    Keine Ahnung, wann bist du das nächste Mal in Erfurt?!

  3. on 11 Okt 2008 at 13:28 der richtige sebbe

    häh, wer schreibt denn in meinem namen solch höchst fragwürdigen dinge?
    unverschämtheit :D

  4. on 11 Okt 2008 at 13:31 Robby

    Warste wieder mal im Suff?! :D


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