Feed on
Posts
Comments

Perfide Erkenntnis

Das bösartig Teuflische an allem Wissen und aller Erkenntnis ist, dass es nicht automatisch zu Veränderung führt. Weder in sich1 noch in der Tatsache selbst. Es besteht eine Diskrepanz zwischen der Kenntnis ob einer Sache, ihrer Funktionsweise und der Nicht-Möglichkeit sie zu ändern. Selbst wenn man weiß, wie Konditionierung funktioniert, ist man gegen sie nicht immun. Man kann sie vielleicht bemerken, beeinflussen, kontrollieren aber letztendlich nicht gegen sie wehren.
Zumindest ist das zu hoffen.2 Andernfalls wird die Funktionalität des Lebens eingeschränkt.

Wissen ist schlimmer als Nichtwissen. Das hat mit Sicherheit irgendjemand Schlaues mal gesagt, ich will gar nicht wissen, wer. Nichtwissen ermöglicht die (kongruente) Aufrechterhaltung einer Illusion. Eines verzerrten Abbilds der eigenen verzerrten Wirklichkeit. Wieso selbst versucht man das Unvermeidliche zu vermeiden, herauszuzögern und zu verdrängen, nur damit es einen dann umso schlimmer von hinten erwischt?!
Weil man die Hoffnung hat, das irgendwo eine Reißleine auftaucht, an der man ziehen kann oder sich jemand zu einem hinab in die Tiefe stürzt um einen dort herauszuholen. Hoffnung, wohl das Schlimmste aller Übel.

Wer will schon wissen, dass das ganze Leben eine Farce ist, anderen Ende nur eines steht, nämlich nichts?! Oder dass man für andere nicht das ist, was man sich selbst wünscht und glaubt zu sein. Dass man an sterbenden Teilen festhält obwohl man innerlich weiß, dass sie verloren sind. Dass man Tag für Tag andere und viel mehr noch sich selbst belügt und diese (vermeintliche) Erkenntnis das Gefüge zerrüttelt. Dass Menschen sich krampfhaft vor dieser Tatsache verstecken und zu hüten versuchen, weil sie nicht damit umgehen können. Allein mit dem Gedanken, dass alles nur aus Minderwertigkeit und Egoismus und letztendlich zu nichts führt. Dass der Berufswahl nicht die Motivation den Menschen und der Gesellschaft zu helfen zugrunde liegt, sondern nur eine Kompensation der eigenen Triebe und Bedürfnisse darstellt. Die positive, gesellschaftstaugliche Spiegelung. Vom Pyromanen zum Feuerwehrmann, vom Mörder zum Soldaten, vom potentiellen Verbrecher zum Polizisten, vom verkappten Sadisten zum Chirurg, vom Voyeur zum Gynäkologen. Und der Psychiater, der Gott spielen will [*hehe*].3

Ja, das ist und macht in gewisser Weise krank. Das kann man nun gut, schlecht oder einfach nur finden, wenn man von der radikalen Gehirnwäsche und geistigen Extinktion ausgehend absieht, gibt es nur fünf Möglichkeiten. Zumindest habe ich nur fünf grobe Verfahrensweisen gefunden, die einen gewissen Zusammenhang zu den “drei Möglichkeiten eines Idealisten” offenbaren.45

Möglichkeit I: Selbstmord.

Möglichkeit II: Das Verfallen in Lethargie.6

Möglichkeit III: Das Akzeptieren der “Tatsachen” und Suchen einer gesellschaftlich existierenden Nische, in die man sich einnistet, darin “glücklich wird” und irgendwann stirbt.7

Möglichkeit IV: Die Schaffung einer eigenen Nische, entweder fernab oder innerhalb des Systems. Auch Utopia genannt – also nirgendwo.

Möglichkeit V: Die Veränderung des Systems.

Letzteres ist wohl die größtmögliche Herausforderung und die, auf die ich etwas näher eingehen möchte. Hier kommen nämlich die NLP-Begriffe Pacen und Leaden zum Einsatz. Oder anders gesagt: Man muss das Spiel kennen und spielen, um es zu ändern.
Will heißen, man muss sich an das System anpassen um es an sich anzupassen. Das ist zugegeben ein schwieriger, aber notwendiger Schritt, möchte man auf diese Stufe treten.

Veränderung geschieht von innen, nicht von außen. Ansichtsänderung ist etwas anderes als Konformität, die Mauer ist nicht gefallen, weil jemand von außen das verlangt hat und Luke Skywalker hat den Todesstern nicht von außen zerbombt sondern ist in sein Inneres geflogen. Man muss in die Tiefe eindringen, verschmelzen, eins werden und sich anschließend verwandeln. Und somit auch den anderen.8 Die Gefahr, die bei derartigen Vorhaben besteht, ist, dass nicht der andere ich sondern ich der andere werde. Die Korrumption der Macht.

Aber auch das wäre weder gut noch schlecht, sondern wäre eben einfach nur so.

Robby, inspired by life & Paul Watzlawick

  1. Gut, da in gewisser Hinsicht schon, aber nicht praktisch. []
  2. Auch wenn es mir genau in diesem Moment nicht so scheint. []
  3. Entnommen aus Paul Watzlawicks “Anleitung zum Unglücklichsein”. []
  4. Den Eintrag würde ich verlinken, finde aber nicht den, den ich suche… []
  5. Die Zerstörung der Welt/Ausrottung der Menschheit hat es überraschenderweise nicht hier her geschafft. []
  6. Darin bin ich denke ich schon ganz gut. []
  7. Daran versuche ich mich zunehmend. []
  8. Eine äußerst stimulierende Vorstellung. []

Ähnliche Beiträge

2 Responses to “Perfide Erkenntnis”

  1. on 24 Nov 2008 at 17:43 Marco

    Nett gemeint, der positive, ja quasi neutrale ausweg am ende – aber doch schwach. natürlich ist es SCHLECHT, wenn man selbst der ander wird, man durch die Macht korrupmiert wird.
    ich habe das system studiert und gespielt, und ich war erfolgreich. und dann merkte ich, daß ich lediglich vor der wahl einer assimilation und selbstaufgabe, oder eben eines ausstiegs stehe. die illusion, daß sich ein system an einen selbst anpasst, ist selbstbeschiss. ich sehe mich als einen an seinen eigenen moralischen ansprüchen Gescheiterten. für 90% der noch nicht sich zur selbstständigkeit bereit fühlenden starter stellt sich nicht die frage der themenbezogenen leistungsfähigkeit, sondern in allererster basaler linie die frage nach anpassung, demut und unterordnung. jedes selbstständige denken, das bis dahin einem selbst vermittelt wurde, wird durch einen oberflächlichen sorglos-einheitsbrei ersetzt. einzig der ausstieg aus diesen systematiken und ein selbstständiger wiedereintritt, das schaffen eines eigenen konstruktiven führungsstils und der aufbau einer eigenen kultur – eigene firma, eigene existenz, eigene familie – ermöglicht die entfaltung des eigenen Ichs. Nur das Erreichen einer auf diesem Wege hergestellten Macht ist eine erstrebenswerte Macht. Alle andere Macht ist trügerisch und macht Menschen zum Teil einer gewachsenen struktur, die nicht greifbar ist – und damit auch nicht in frage gestellt wird. das nicht-in-frage-stellen unserer struktur und kultur hat uns die finanzkrise (mal wieder eine) gebracht, teilt die welt in arm und reich, in glücklich und unglücklich, in gesund und krank, schickt uns kriege und treibt uns in den abgrund der globalen erwärmung (ein one-way-ticket!).
    es gab schon millionen von mahnern, so wie ich jetzt. bei allen möglichen themen. sie waren immer die langweiligen, die spielverderber, die moralisten, die ökos. machmal sogar die spießer – die systemrepräsentanten überhaupt.
    konsum macht taub und stumm. konsum gilt als richtgröße für lebensqualität.
    konsumunabhängigkeit bedeutet die entfernung einer mehrheitsgesellschaft, die als das demokratische korrektiv überhaupt betrachtet wird. die unlust an der demokratie ist sicherlich in erster linie mit konsum, konsumlust und -unlust zu erklären, mit unzufriedenheit durch werbung und mit der wandlung der volksvertreter hin zu machtmenschen. das volk ist eine dumpfe masse geworden. in der tat sind machtmenschen konsumunabhängiger, und dadurch erst mächtig geworden. da sie dies aber auf dem rücken der dumpfen masse tun, müssen sie diese am laufen halten, damit sie selbst dort nicht vermisst werden. inzwischen sind die machtmenschen aber sehr hungrig, weil schon sehr fett, und die dumpfen so dumpf, daß sie auch den letzten mist konsumieren.
    das dilemma ist, daß ein austreten aus diesem system kann sich nur dann tragen kann, wenn man sowohl die mächtigen als auch die dumpfe masse für sich zu nutzen weiß, um unabhängig sein zu können.
    dies führt zwangsläufig zu einer zynischen haltung, zu arroganz, kategorien-denken, entfremdung und isolation. das wachstums-potential des eigenen daseins, das ein sozial durchlässiges demokratisches system sein muss, in dem respekt und lebensfreude hohe werte sind und der progress an einladenden werten ausgerichtet ist, generiert sich aber nur aus dem grad der opportunismus dem alten system gegenüber. da opportunismus jedoch ein zutiefst abzulehnender wert ist, sind moralisten zum scheitern verdammt.

  2. on 24 Nov 2008 at 18:02 Robby

    Ich weiß nicht genau, wie (oder ob überhaupt) ich deine Worte kommentieren soll (/kann), daher belasse ich es vorerst bei einem “Danke” und lass meinem Geist die Wahl, wie er es für sich verarbeitet. Danke.


Deprecated: Function set_magic_quotes_runtime() is deprecated in /www/htdocs/w006740d/blog/counter/counter.php on line 61

Deprecated: mysql_escape_string(): This function is deprecated; use mysql_real_escape_string() instead. in /www/htdocs/w006740d/blog/counter/includes/mysql.class.php on line 165

Deprecated: mysql_escape_string(): This function is deprecated; use mysql_real_escape_string() instead. in /www/htdocs/w006740d/blog/counter/includes/mysql.class.php on line 165

Deprecated: mysql_escape_string(): This function is deprecated; use mysql_real_escape_string() instead. in /www/htdocs/w006740d/blog/counter/includes/mysql.class.php on line 165

Deprecated: mysql_escape_string(): This function is deprecated; use mysql_real_escape_string() instead. in /www/htdocs/w006740d/blog/counter/includes/mysql.class.php on line 165

Deprecated: mysql_escape_string(): This function is deprecated; use mysql_real_escape_string() instead. in /www/htdocs/w006740d/blog/counter/includes/mysql.class.php on line 165

Deprecated: Function set_magic_quotes_runtime() is deprecated in /www/htdocs/w006740d/blog/counter/counter.php on line 1795

kostenloser Counter

Creative Commons License Amazon Partnerprogramm