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Kafkaesk

Nachdem ich heute morgen die Verkorkstheit meiner Seele feststellte, war ich drauf und dran mich in den erst- oder zweitbesten Zug zu setzen und irgendwohin zu fahren. Entweder dort hin, wo ich niemanden kenne, mich niemand kennt und im besten Fall der Ort niemandem bekannt ist, oder zu jemandem, dem ich medial, aber noch nicht persönlich, begegnet bin. Es war ein Kurzschlusszustand, die Nulllinie des EKG, die Notwendigkeit einer defibrilatösen Wiederbelebung. Ein anderer Ort, neue Eindrücke, weg vom Tisch.

Ich entschied mich dagegen.

Während ich abermals an der Schwelle der Verspätung entlang schlitterte und hastig meine Sachen zusammenpackte, drehten sich Teile meines Bewusstseins diffus um ein Zitat, in dem es um zwei Menschen geht, die voreinander stehen, sich jeweils ihre Wunden und ihr Leid zeigen, Hölle und dies doch nichts ändere. Vielleicht dachte ich das auch im Zug, nachdem ich feststellte, dass ich mein Buch vergaß und somit noch mehr Zeit fand, über meine verlorene Seele nachzudenken.

Das fehlende Buch jedenfalls war der Anlass, mich in der hiesigen Bücherei nach einem neuen umzusehen. Eines, das meinen derzeitigen Ansprüchen gerechter wird. Ich landete vor dem Psychologie-Regal, schaute mir einige Buchbeschreibungen und Rückklappentexte an und stolperte – wenn auch glaub ich in leicht abgewandelter Form – über folgendes:

“Wenn Du vor mir stehst und mich ansiehst, was weißt Du von den Schmerzen, die in mir sind und was weiß ich von den Deinen. Und wenn ich mich vor Dir niederwerfen würde und weinen und erzählen, was wüßtest Du von mir mehr als von der Hölle, wenn Dir jemand erzählt, sie ist heiß und fürchterlich. Schon darum sollten wir Menschen vor einander so ehrfürchtig, so nachdenklich, so liebend stehn wie vor dem Eingang zur Hölle…”

(Franz Kafka)

Das fand ich… passend und merkwürdig zugleich. Auch wenn ich mittlerweile, beim Schreiben dieses Textes, glaube, dass das Zitat, welches mir durch den Kopf spukte, doch ein anderes war. Wenn dem so ist – und ich kann es weder genau sagen, noch ausschließen – dann war es höchstwahrscheinlich etwas vom großartigen bastih.

Ist auch nicht so wichtig, ich habe ein neues Buch und Kafka passt wohl auch ganz gut.

Robby, erwähnenswert

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6 Responses to “Kafkaesk”

  1. on 02 Dez 2008 at 23:48 escelynn

    Respekt vor dir – wenn ich mich länger mit der menschlichen Psyche im Allgemeinen und meiner eigenen im Besonderen beschäftige, bekomme ich davon nichts außer Kopfschmerzen. Über sich selbst nachzudenken ist natürlich spannend und fesselnd, oft sogar lehrreich (zumindest für sich selbst) – aber vom Fleck komme ich persönlich damit nicht. Ich kann mir über alle möglichen Facetten meines Seins Gedanken machen, aber im Endeffekt bin und bleibe ich nur ich selbst. Und wenn ich das in dieser Form halbwegs akzeptiere, kann ich auch nachts mal wieder schlafen ;-) (Mach dir nichts draus, falls ich mich mal wieder unverständlich ausdrücke und mich keiner versteht *grins*)
    Ich wünsch dir jedenfalls viel Glück mit deinem neuen Buch ;-)
    Liebe Grüße

  2. on 03 Dez 2008 at 11:26 bastiH

    die fronten verschärfen sich… alle sind angespannt. sei auf der hut… durchdrehen kann jetzt verherend sein…!

  3. on 03 Dez 2008 at 14:17 Robby

    @escelynn: Öhm, danke. Ich denke, es kommt immer darauf, wohin man möchte. Und ich denke nicht, dass Selbstreflektion einen zwingend auf der Stelle hält. Und selbst wenn, so kennt man seine Position und Umgebung wenigstens besser ;)

    Was die Akzeptanz angeht, so habe ich meistens kein Problem damit. In der Regel schlafe ich in weniger als fünf Minuten ein :)

    Danke mit dem Buch, auch wenn ich Erfolg gegenüber Glück bevorzuge. Der Rückklappentext gehört übrigens zu dem eines anderen.

    @bastih: Fronten?! :D Und durchdrehen kann wohl immer verherend sein – ich denke aber, ich habe es insgesamt unter Kontrolle. Und falls nicht, auch nicht schlimm, lernt man etwas neues kennen :)

  4. on 03 Dez 2008 at 17:47 Schaf

    “Das fehlende Buch jedenfalls war der Anlass, mich in der hiesigen Bücherei nach einem neuen umzusehen.”
    Haha! Das war bestimmt Gedankenübertragung ;)
    Find ich auch lustig, dass du von “defibrilatösen Wiederbelebung” sprichst und ich die letzten beiden Tage eine Ersthelferschulung hatte, wo da heute auch vorgemacht wurde.

    “Entweder dort hin, wo ich niemanden kenne, mich niemand kennt und im besten Fall der Ort niemandem bekannt ist, oder zu jemandem, dem ich medial, aber noch nicht persönlich, begegnet bin.”
    Ersteres kann ich nachvollziehen, aber letzteres… PAH!

  5. on 03 Dez 2008 at 17:54 Robby

    Ja, gewissermaßen ärgerlich :p

    Ist doch nichts gegen dich, nur für die Erweiterung des eigenen Horizonts. Aber wenn du magst, komm ich zur Abwechslung auch gerne mal wieder dich besuchen ;) :p

  6. on 03 Dez 2008 at 18:11 Schaf

    Ja, mag ich. :P


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