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Schwarz und Weiß

Sie saß auf der Treppe und wartete. Ihr Blick war gedankenversunken auf den Boden gerichtet, ihre zarten Finger spielten mit den weißen Handschuhen in ihren Händen. Ein ebenso weißer Schal umhüllte ihren Hals, aufeinander abstimmt.

“Wie passend.” dachte er, während seine Hände in die schwarze Wolle eintauchten, die sich zuvor bereits um seinen Kragen wandt. “Ich in schwarz, sie in weiß.” – der Ausdruck zweier Gegensätze. Es war Jahre her seitdem sie sich zum letzten Mal getroffen hatten, die sporadischen Blickkreuzungen ausgenommen, an denen man sich hin und wieder sah und doch nie begegnete.

Es war ein Tag, der eigentlich genauso wenig hätte sein dürfen wie der drei Jahre zuvor. Es wäre gelogen zu sagen, er hätte es nicht gewusst. Doch Wissen führt nicht automatisch zu besseren Entscheidungen. Manchmal muss man tun, was man tun muss. Diese Erfahrung hatte er bereits hinter sich und wusste, dass er es auch heute wieder tun würde.

Sie betraten eine Sphäre der Unwirklichkeit. Einen Raum, der gar nicht existieren dürfte, aber es aus irgendwelchen Gründen dennoch tat. Hätte es nicht zuvor schon einen Anfang gegeben, man hätte meinen können, er wäre hier gewesen. Das selbe verhaltene Schweigen zu Beginn, auch wenn die Gründe mittlerweile andere waren. Sie standen nicht am Start der Strecke, sie waren außerhalb und gleichzeitig mittendrin.

Die Körper lösten sich, die Seelen blieben stehen. Wo man denn hingehen wolle, fragte sie ihn im Laufen und die Stille durchbrechend. Abermals forderte sie mehr als sie bereit zu geben war. Den Ort, den er vorschlug, verwarf sie. “Zu belastet.” lautete ihre Begründung. Das überraschte ihn, das hatte er weder erwartet noch gedacht, nach all der Zeit, die zwischen ihnen lag.

Sie fanden ein Café, das ihrer Meinung nach unbelastet war. Zumindest Parterre, wo sie sich aufhielten.
Eine ungewohnte, surreale Situation. Da saßen sie sich nach all der Zeit des ignorierenden Stillschweigens gegenüber – und schwiegen. Scherze maskierten die Fassaden der Gesichter, während im Hintergrund eine eigene und gemeinsame Abstimmung des Verlaufs diskutiert wurde.

Ein Bild der Spannung und Entspannung. Die Frage, welche Felder man betreten dürfe, ohne gleich eine Mine in die Luft zu jagen. Ein Wechselspiel und Gewirr aus Schweigen, Metakommunikation, Nebensächlichkeiten und Relevanz. Das ständige Balancieren der Offen- und Verschlossenheit, das sichern und anbieten von Gesprächsquadranten und gleichzeitige Verminen anderer. Ein Gespräch, das anders war als all die vorherigen und doch vieles gemein hatte. Die Seelen blieben an ihren Trennlinien stehen.

Das Gespräch wiederzugeben? Nicht möglich, hörte doch niemand zu. Eine Szene außerhalb von Raum und Zeit, eine Seifenblase, die die Wirklichkeit kurz umhüllt um anschließend zu zerplatzen und keinerlei Spuren zu hinterlassen. Und sollte doch jemand die Worte vernommen haben, so hat er sie nicht verstanden. Sie sagten etwas anderes als sie sprachen. Der Subtext macht den Unterschied, wie bei fremdsprachigen Filmen, die man nicht versteht und bei denen einem die Untertitel den Inhalt verraten. Nur, dass es diese Option hier nicht gab.

Ein surreales Bild. Eines, das entsetzend und faszinierend zugleich war. Eine Darstellung, die es nie gab und man doch innerlich fühlen kann. Eine Illusion, fernab der Realität. Wie eine Seifenblase. Wer sieht heutzutage noch Seifenblasen?

Ein Gespräch außerhalb Raum und Zeit. Eines, das nach der Verabschiedung genauso wenig existierte wie die zerplatze Seifenblase: “Vielleicht in zwei, drei Jahren dann.”

Seitdem waren sie nicht mehr gesehen, Schwarz und Weiß.

Robby, “literarischer Versuch”1

  1. Den Anfang finde ich persönlich noch ganz ok, dann ließ es zumindest beim Schreiben spürbar nach. Ich denke, gute und lesbare Texte lassen sich nicht binnen einer knappen Stunde einfach mal so runterschreiben. Zumindest nicht von mir. Sollte mir für derartige Experimente wohl mehr Zeit nehmen, Raum geben und Überarbeitungen zulassen []

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