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Es gibt keinen Gott (mehr)

Nicht, dass ich es erst seit heute wüsste. Aber es ist dennoch erschreckend, jedes Mal mehr festzustellen, dass das, woran man als Kind geglaubt hat, nicht mehr als eine billige Farce ist.

Es ist schon merkwürdig. Die Kirche voll mit Leuten, die scheinbar auf der Suche nach Sinn, Sicherheit und Werten sind – vielleicht auch nur nach einer weihnachtlichen Geschichte. Sei es für sie selbst oder für ihre Kinder. So kommt es mir zumindest vor, da das Gefühl von Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit nicht im Ansatz vorhanden ist. Ich habe noch keinen Gottesdienst respektive Krippenspiel erlebt, bei dem die sangliche Beteiligung derart nicht vorhanden war. Von Mützen im Gotteshaus mal ganz abgesehen. Wobei das untoppbare Fehlverhalten immer noch der Applaus bei der Aufführung des Studentenchors in der Jenaer Stadtkirche war. Sorry, bei aller Gottabkehr und Toleranz, aber es gibt gewisse Spiel- und Anstandsregeln. Und das ging einfach gar nicht.

Es gibt keinen Gott, keine Liebe, keine Gerechtigkeit und keine Moral. Nur das Streben nach Kompensation der eigenen Minderwertigkeit, das Verdrängen der Nichtigkeit und Redundanz der eigenen Existenz. Glücklicherweise habe ich hier schon ein mögliches Gegengift liegen.1

Was Göttlichkeit anbetrifft: die gibt es auch ohne Gott.

Robby, Antichrist

  1. Albert Camus – “Der Mythos des Sisyphos” []

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8 Responses to “Es gibt keinen Gott (mehr)”

  1. on 24 Dez 2008 at 23:04 Schaf

    … wobei das mit dem Applaus auch so eine Sache ist. Gut, bei einem Gottesdienst wohl unangebracht. Aber bei dem Chor… schwierig. Vor allem für mich als Heiden sind diese Regeln alle sehr fremd. Ja, ich weiß, das mit dem Applaus kann man sich vielleicht noch denken, aber… fühl’ mich allgemein in “Gotteshäusern” unwohl, weil ich eben nicht weiß wie man sich dort verhält… sei froh, dass du heute nicht im Heim warst… da war es sicherlich noch eine Portion Niveauloser… nur können die wohl nichts dafür… :(

  2. on 24 Dez 2008 at 23:07 Robby

    Ich bin in der Hinsicht dennoch eher etwas konservativ. Und das Regelwerk ist eigentlich unkompliziert, hier kann man afaik ja sogar mit kurzen Sachen in Kirchen gehen usw. (Wieso auch nicht ;) )

    Du warst im Heim?! Oo

  3. on 27 Dez 2008 at 09:15 Rooby

    Ich glaube jeder findet seinen eigenen “Gott”, wenn er/sie nicht gerade einer bestimmten Kirche angehörig und dazu auch gläubig ist. Ich bin zwar evangelisch, glaube aber nicht an Gott. Für mich ist das eher die Sensation des Lebens ansich. Und es gibt Gemeinschaft, Liebe und Moral. Natürlich gibt es die. Denn Du vermisst sie, also gibt es sie zumindest in Dir. Und ich kann auch guten Gewissens behaupten, dass ich moralisch bin (geprägt durch die Gemeinschaft) und dass ich liebe und geliebt werde (ebenfalls in Bezug auf mehrere Menschen, daher wieder Gemeinschaft). Es ist eine Sache des Betrachtungswinkels.
    Und zum Thema Kirche und Verhalten dort: die ach so guten Menschen, die regelämßig in die Kirche rennen, kennen vielleicht die Regeln IN der Kirche sehr gut, dafür benehmen genau die sich gerne AUSSERHALB der Kirche wie die letzten Schweine. Was uns wieder zur Moral führt, aber das nur am Rande.
    Will sagen: Nicht jeder, der sich irgendwo nicht an bestehende Konventionen hält, ist ein schlechter Mensch. :-)

    P.S. Ich wünsche Dir schöne Weihnachten gehabt zu haben. :-)

  4. on 27 Dez 2008 at 10:37 Robby

    Jeder glaubt an etwas, das ist richtig, ja. Was Liebe und Moral angeht, so mag die zwar existieren, allerdings viel einfacheren Mechanismen zugrunde liegen als dieses Idealismusblabla. Moral und das Gewissen sind im Endeffekt auch nur ankonditioniert. Das meinte ich auch mit meiner Aussage, dass das ganze “Höhere” einfach nicht so hoch ist, wie wir (ich) es gerne hätten.

    Ich sage auch nicht, dass das schlechte Menschen sind. Nur verhalten sie sich in dem Kontext absolut unangemessen.

    Danke, ging so…

  5. on 11 Jan 2009 at 23:47 sapere aude

    Fürchte Dich nicht! Alles wird gut. Auch ohne Götter :o )

  6. on 12 Jan 2009 at 09:28 Robby

    Muah, ich box dich :D

  7. on 05 Feb 2009 at 09:44 BeniClau

    So will ich ergänzend festhalten: Gibt es keinen Gott als relevante Konsequenz außerhalb der menschlichen Existenz, so kann in aller Logik auch behauptet werden, dass es für den Einzelnen nicht verpflichend erforderlich ist, sich Regeln menschlicher Moral/Ethik zu unterwerfen. Ich kann hier die Menschenrechte und menschliche Würde/Respekt auch beiseite lassen. Wer/Was sollte mich daran hindern? Welcher Konsequenzen könnte es geben? Warum sollte ich ein behindertes Kind nicht abtreiben und mir ein neues machen lassen? Es kann mir doch egal sein, ob ich mich um meine Mitmenschen kümmere oder nicht?

    Die sogenannte Freiheit in einem Leben ohne Gott, die in diesem Zusammenhang so gerne propagiert wird, erweist sich bei genauerer Betrachtung als Zwang zur Zweckgemeinschaft. Gerade in einer Welt ohne Gott (ohne letztendliche, außermenschliche Ebene der Korrektur/Konsequenz) ist es meine Möglichkeit (mein Recht?), zu tun/zu lassen, was ich will. Gut oder Böse gibt es nicht, sondern nur mehr nützlich/schädlich für die menschliche Gemeinschaft. Und damit es für mich nicht selbst unangenehm wird (Strafe), töte ich meinen Gegner nicht, obwohl ich es ohne relevante Konsequenz tun könnte, da es ja keinen Gott gibt, dem gegenüber ich Rede und Antwort zu stehen habe. Dann gibt es aber kein Recht und keine Gerechtigkeit mehr, sondern nur mehr Anpassung und Unterordnung.

    So kann alles Regelwerk menschlichen Miteinanders einfach auf das Alltagsleben herunter gebrochen werden und damit wir halt nicht allzu blutig miteinander umgehen und die Wirtschaft möglichst wenig Schaden nimmt. Aber wenn wir das nicht tun und uns womöglich um den Klimawandel einen Dreck scheren – was soll’s? So bin ich mir – rational und in einer Welt ohne Gott/Transzendenz/Spiritualität – doch ein zvilisierter Wilder. Ich kann machen, was ich will – auch töten und zerstören. So ist doch alles in dieser Welt nur eine Zweckgemeinschaft mit dem Ziel, dass halt alle Stärkeren so nett zu den anderen sind, damit die auch was im Leben machen dürfen.

    Und der Rest der Menschheit? All die Debilen, Behinderten, Unfähigen, unheilbar Kranken, tödlich Verunglückten? … die haben dann halt einfach Pech gehabt?

    Warum dann Mörder nicht hinrichten? Weg ist weg.

    Und so eine – rational und auf den irdischen Boden festgezurrte Welt – ist schöner als die erfüllte spirituelle universelle Ganzheit in der Geborgenheit einer spirituellen Kraft, die Unrecht wieder ausgleicht?

    Und doch wird der suchende Mensch beim Lesen der Bibel klar darauf hingewiesen: “Ist da kein Gott, so ist all Dein Bemühen nichtig…”. Wenn Du glauben willst, heißt das nicht, dass es leicht und einfach ist. Oder, um Jesus zu zitieren: “Wenn ihr nicht werdet, wie die Kinder …”. Und der Stellenwert der Kinder in unserer heutigen Zeit ist gering, denn sie handeln “aus dem Gefühl/Bauch”, also irrational. Sie werden bewertet, justiert, nachjustiert, berichtigt und belehrt – bis sie als Erwachsene brav ihr Leben als Trivialmaschinen beginnen und funktionieren.

    Glaube/Spiritualität ist in unserer Welt auf jeden Fall ein Störfaktor, da er den einzelnen Menschen mit seiner individuellen, subjektiven Wahrnehmung und seiner Beziehung zu Gott als absolute Größe und Relevanz ins Zentrum stellt und ihn damit dem menschlichen Verpflichtungsgeflecht entzieht. Und das kann aus der Sicht des “Realisten/Agnostikers/ Atheisten/Andersdenkenden” doch wirklich nur irrational sein?

    lG.
    BeniClau

  8. on 06 Feb 2009 at 16:05 Robby

    Interessante Punkte, für deren Beantwortung mir gerade in der Form Zeit und Lust fehlt. Anyway werfe ich einfach mal mit Tit for Tat, Evolution und Entwicklung um mich. Vielleicht noch Kant.

    Es ist nicht so, dass es ohne Gott keine Regeln mehr gäbe. Nur der Sinn fehlt (das täte er vermutlich selbst mit). Darüber lese ich aber gerade “Der Mythos des Sisyphos” von Albert Camus.

    Und was Anpassung und Unterordnung anbetrifft: Wie ist das mit der Hölle, Nächstenliebe und gleichzeitiger Missionierung/Verdammung von Ungläubigen/Homosexuellen/sonstwem und pädophilen Geistlichen?!

    Klar kann man Regeln brechen. Nur sind die eben nicht gottgegeben. Und falls doch: ein Grund mehr. Ist Gott nämlich so allmächtig, würde ich es nicht können :D (Camus hat hierfür ein besseres Statement)


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