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Schlüsseltage

Zu sagen, es gäbe im Leben nur Schlüsselmomente, wäre wohl zu wenig. Es gibt regelrecht Tage, um die eine besondere menschliche Bedeutung kreist. Kein Augenblick, der einen zur Erleuchtung führt oder in die Untiefen der Dunkelheit stürzt, nein, ganze vierundzwanzig Stunden. Und vermutlich gibt es darüber hinaus noch viel längere schlüsselhafte Zeitfenster. Womöglich ist es sogar das ganze Leben – und wir sind der Schlüssel, der am Ende das Tor zum Tod öffnet.

Und so stehen wir am Morgen eines solchen Tages auf. Ein Tag, der eigentlich tagtäglich ist. Die ersten Stunden voller Momente sind schon vergangen und dennoch liegt einem die Zeit zu Füßen. Man selbst steht mit selbigen vor einer Tür. Vielleicht sind es auch mehrere. Ich denke, das Bild passt besser. Umrundet von einer Vielzahl Möglichkeiten.

Man selbst steht. Auf, vor Türen, der Zeit und all dem, was danach kommt. Ein kleiner, golden verzierter Türöffner. Ob er eingesetzt wird, liegt in unserer Hand. Die Frage lautet nicht welche Tür sondern ob oder ob nicht. Und so dreht der Schlüssel in der Luft seine Runden, bevor er zurück in den Griff fällt um anschließend wieder in die Höhe geworfen zu werden. Wieder. Und wieder.

Die Zeit vergeht, man selbst steht, der Schlüssel dreht. Sich. Im Weg – vor der Tür. Den Türen, die eigentlich doch nur eine einzige sind. Wenn man jemandens Aufmerksamkeit möchte, so bedarf es weniger einer spezifischen Verhaltensweise, als viel mehr einer (üb-)erzeugenden Handlung. Wenn man jemanden ansprechen möchte, geht es nicht darum, was man sagt, sondern dass man was sagt. Wichtig ist nicht die Richtung, es ist der Schritt. Zumindest in erster Instanz.

Und so zieht der Schlüssel seine Bahnen. Sonne und Horizont beginnen miteinander zu verschmelzen. Dunkelheit taucht die Nacht. Man steht immer noch. Vor der Tür, der untergehenden Zeit, neben sich selbst. In der Realität wäre der Arm des Werfens schon lang müde, hier schwingt er munter weiter. Die Tür steht fest verschlossen, in ihren Scharnieren verankert.

Die Zeiger stehen kurz vor Mitternacht und bewegen sich dennoch im selben Augenblick einen Schritt weiter vorwärts. Und noch einen. Man selbst? Steht. Der Schlüssel? Dreht. Sich. Im Luftschloss. Der Schlüsseltag schrumpft zu einer Handvoll Schlüsselmomente zusammen. Nur noch Wimpernschläge trennen einen vom nächsten Tag.

Der Türschlüssel vollendet seine letzte Umdrehung in der Luft. Die rechte Hand greift ihn und steckt ihn in die linke Jackentasche. Man selbst dreht sich um und geht. Es war nicht der letzte Tag.

Robby, Schlüsselträger

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One Response to “Schlüsseltage”

  1. on 04 Jan 2009 at 21:29 Schaf

    Sehr schöner Eintrag :) Punkt.


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