Feed on
Posts
Comments

Selbstoffenbarungsscheiß

Wer mich kennt – oder hier einfach nur ein paar Einträge liest -, weiß, dass ich gerne von mir, über mich, meine Ideen, Vorstellungen, Gedanken, Überlegungen und alles, was sich irgendwo um mich oder meine Welt dreht, rede beziehungsweise schreibe. Das ist vollkommen richtig, macht mir Spaß und weiß oftmals – nicht immer – zu unterhalten, zumal das nur eine Seite der Medaille ist. Zuhören kann ich nämlich auch. Zumindest dann, wenn der andere überhaupt etwas zu erzählen hat beziehungsweise das möchte. Ich nutze in erster Linie nur den Raum, den man mir lässt.

Was ich jedoch überhaupt nicht kann, ist jegliche Selbstoffenbarung vor Massen. Nun kann man argumentieren, dass ich nichts anderes hier mache, nur ist erstens die Leserschaft nicht derart umfangreich, das Feedback nicht in Echtzeit und wenn, dann erst einmal nur virtuell. Damit kann man – sollte es nicht gefallen – verhältnismäßig umgehen. Und sollte jemand real Geschriebenes von hier gegen mich verwenden sollen, so ist es nicht nur ein Bruchstück, sondern möglicherweise schon Vergangenheit.

Wenn es allerdings darum geht, in einer Gruppe von Menschen sich kurz vorzustellen, so ist mir das zuwider beziehungsweise verdammt unangenehm. In dem Moment, wo ich etwas sage und einen Teil von mir offenbare, während alle Augen auf mich gerichtet sind, mache ich mich angreifbar. Selbst dann, wenn alle andere ähnliches erzählen und die Informationen in Richtung Redundanz gehen. In dem Moment, wo du dich auf ein leeres Feld stellst, bist du nackt. Und ich habe – und das ist nichts Neues – davor große Angst. Nicht, dass irgendjemand dieses Interesse hätte, sind sie oft doch genauso oder noch stärker angreifbar, aber allein dass die Möglichkeit besteht, erzeugt in mir eine Abneigung gegen derartige aufdoktrinierte Vor-Massen-Präsentationen.

Wenn ich mich selbst dafür entscheide… nicht unbedingt kein Problem, aber es liegt zumindest in meiner Hand. Alles, was eine direkte Reaktion ermöglicht, ist potentiell gefährlich. Und das ist vor allem gegenüber vielen Personen gleichzeitig nicht handlebar. In Kleingruppen und Face-to-Face-Interaktionen kann man die Beziehung zueinander besser und schneller abschätzen, Vertrauen lässt sich leichter gewinnen. Je mehr Leute es werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, das es mit irgendwem nicht passt oder Kandidaten darunter sind, die einem destruktiv gegen das Bein treten wollen. Ein Grund, diesen keine Fläche zu bieten. Und mit Arroganz und Einzelgängertum kann ich ganz gut leben.1

Und ich muss sagen, selbiges gilt sogar für das Vorlesen eigener Blogeinträge. Es ist kein fire & forget wie beim Schreiben, es ist die öffentliche und direkte Präsentation eines eigenen Teils. Der – je nach Thema und Eintrag – eigenhändig ausgesprochen mehr oder weniger persönliche Angriffsfläche bietet.

Ich bin nicht gerne angreifbar.2 Und kann auch schweigen.

Robby, Freiwilligkeit & Schildmechanismen

  1. Sind es doch, wie vor Jahren festgestellt, primär Schilde des zerbrechlichen Ichs. []
  2. Und wenn man die Videoaufnahme aus dem Seminar heute betrachtet… OH – MEIN – GOTT. Kein Kommentar… []

Ähnliche Beiträge

4 Responses to “Selbstoffenbarungsscheiß”

  1. on 11 Jan 2009 at 21:11 Rooby

    Es wundert mich, dass Du Dich so angreifbar fühlst, wenn Du in der Öffentlichkeit reden musst. Denn erstens bringst Du aus meiner bisherigen Sicht alle sprachlichen Voraussetzungen mit, reagieren zu können. Und zweitens musst Du doch nicht alles auspacken, wenn Du offen reden sollst. Es liegt doch immer noch in Deiner Hand, was Du mitteilen willst. Keiner zwingt Dich Dinge zu sagen, die Dich in Schwierigkeiten bringen oder Dich einfach unwohl fühlen lassen. Rede nur über die Punkte, die Du zu 100% händeln kannst. Für alles andere such Dir passende Ausreden. “Darüber möchte ich gerade nichts sagen” oder “Darüber muss ich erst mal genauer nachdenken” oder auch “Das gehört hier nicht hin, daher möchte ich das außen vor lassen”. So oder so ähnlich.
    Reden kann man lernen. :-)

    Lieben Gruß aus meiner neuen Heimat, wo Reden auch so eine Sache ist.
    http://ichbin.groblinguistiker.de/archives/118-Ei-Gude…de-Hesse-komme.html

  2. on 11 Jan 2009 at 23:00 Robby

    Naja, hier muss man wie gesagt unterscheiden. Ich habe kein Problem damit, etwas zu erzählen, auch nicht bei persönlichen Sachen (eher im Gegenteil *hust*). Ich denke, dass ich mich zunehmend besser ausdrücken kann. Allerdings geht es mir um die Entscheidung und vor wem ich etwas erzähle. Und wenn es im Seminar’ne Vorstellungsrunde gibt, wo man spezifische Sachen über sich erzählen soll, die eigentlich vollkommen normal und irrelevant sind, wäre es komisch, sich davor zu verwehren. Ich weiß ja auch, dass die Reaktion unangemessen ist und kann folglich gegensteuern, allerdings hat der Körper das immer noch intus. Ähnlich wie bei Phobikern beispielsweise, die auch wissen, dass ihre Angst unbegründet ist. Bis sie in die Situation kommen ;) Mit dem Unterschied, dass ich in dieser nicht komplett freidrehe sondern aktiv eingreifen kann.

    Wie gesagt, ich habe kein Problem mit dem Reden, sondern mit der Offenbarung von (vermeintlichen) Schwachstellen. Vor allem, was meine Person angeht. (Wie gesagt jedoch nur, wenn ich das nicht von mir aus machen möchte. Nur habe ich keinen Grund vor Leuten, die mich nicht kennen und auf deren nähere Bekanntschaft ich keinen großen Wert lege, mich auszuziehen.)

    Um es zu spezifizieren: Es ging eigentlich nur darum, ob wir schon mal Patientenkontakt bei’nem Praktikum o.ä. hatten, welche Erwartungen wir in uns tragen etc. An sich nichts schlimmes, allerdings versuche ich ein möglichst kompetentes und souveränes Bild zu vermitteln. Dass ich dann wiederum da nicht mit Erfahrung aufwarten kann, bietet die Möglichkeit… usw.
    Ein Hoch auf mein narzisstischen Anteil, der übertriebene Angst vor Ablehnung und Kritik hat. Hooray.

  3. on 12 Jan 2009 at 16:20 Wolkenmädchen

    “Ein Hoch auf mein narzisstischen Anteil, der übertriebene Angst vor Ablehnung und Kritik hat”

    hehe

    Aber du bist doch auch häufig bei Vorträgen nicht mit dir und deiner Art zufrieden, oder?

    falls du das inzwischen überwunden haben solltest, würde ich mich über ein paar Tipps sehr freuen, denn vor Referaten würde ich gerne schreiend davon laufen. Wenn hier Leute sind, die rotzcool vor anderen stehen können und sämtliche Präsentationen und Informationen über sich und alles mögliche aus dem Ärmel schütteln können – WIE MACHT IHR DAS?

    Weist du Robby, das wirklich Blöde und Abartige daran ist, dass wir uns in unserem Leben ernsthaft behindern. Nur alleine durch das, was wir verkaufen wollen, schaffen wir es doch tatsächlich uns ständig wegen NICHTS einen Kopf zu machen. Ich meine, alles ist vergänglich und doch irgendwie nie so bedeutend wie es scheint. Wenn du mal inkompetent gewirkt haben solltest (nach deinem Eindruck), haben das mindestens 90 % der Leute gar nicht mitbekommen, nur weil sie mit sich selbst beschäftigt sind oder weil es sie gar nicht interessiert und nur wir diejenigen sind, die in Gott und die Welt etwas Gemeines reininterpretieren. Außerdem in welchem Verhältnis steht so eine Situation schon? Für die meisten Leute bleibst du nur ein Name nach dem Studium. (Oder meinst du einer meiner ehemaligen Klassenkameraden kann sich noch daran erinnern, dass ich IMMER knallrot geworden bin, wenn ich etwas vor der Klasse gesagt habe?)

    Ich will, dass mich jemand von meinem Schweineego befreit (der Teil, der immer Angst davor hat, unsouverän, unsicher und dumm zu wirken)! Sofort.
    Danke.

  4. on 12 Jan 2009 at 16:29 Robby

    Naja, das Streben nach Perfektion halt. Und ja, vielleicht erscheine ich trotz subjektiver Unsicherheit nach außen hin cool und souverän. Blindheit und mangelnder Anspruch der Außenwelt, zumindest dem Großteil.

    Was die (unangemessenen) Reaktionen anbetrifft: Konditionierung. Das muss ja nicht erst letztens passiert sein, sondern kann was kindlich basales sein. Nichts, was man nicht ändert könnte, aber schwer dran zu kommen, sofern man die Quelle reinigen und nicht nur das Wasser am Ende filtern möchte.

    Was deine Frage der Rotze-Coolheit anbetrifft, die ich – meiner Meinung nach – mindestens ab und zu auch habe, so wäre meine Antwort darauf: Überzeugung. Die Überzeugung, dass man es selbst drauf hat, die anderen unterhält, begeistert, mitreißt und sie beeindrucken kann. Und aus diesem “kleinen Ding”, der Überzeugung, kommt alles andere.
    Die zu gewinnen ist nicht immer ganz so einfach…


Deprecated: Function set_magic_quotes_runtime() is deprecated in /www/htdocs/w006740d/blog/counter/counter.php on line 61

Deprecated: mysql_escape_string(): This function is deprecated; use mysql_real_escape_string() instead. in /www/htdocs/w006740d/blog/counter/includes/mysql.class.php on line 165

Deprecated: mysql_escape_string(): This function is deprecated; use mysql_real_escape_string() instead. in /www/htdocs/w006740d/blog/counter/includes/mysql.class.php on line 165

Deprecated: mysql_escape_string(): This function is deprecated; use mysql_real_escape_string() instead. in /www/htdocs/w006740d/blog/counter/includes/mysql.class.php on line 165

Deprecated: mysql_escape_string(): This function is deprecated; use mysql_real_escape_string() instead. in /www/htdocs/w006740d/blog/counter/includes/mysql.class.php on line 165

Deprecated: mysql_escape_string(): This function is deprecated; use mysql_real_escape_string() instead. in /www/htdocs/w006740d/blog/counter/includes/mysql.class.php on line 165

Deprecated: Function set_magic_quotes_runtime() is deprecated in /www/htdocs/w006740d/blog/counter/counter.php on line 1795

kostenloser Counter

Creative Commons License Amazon Partnerprogramm