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Entemotionalisierung

Entemotionalisierung ist eigentlich nicht das richtige Wort. Entillusionierung trifft es wohl besser. Das Wissen um Gefühle, ihrer Funktionen und vor allem Ursachen, selbst wenn nicht immer bis ins kleinste Detail beschreibbar, nimmt der Affektivität einen Teil ihrer Wirkkraft. Nicht bei jeder Emotion und auch nicht immer, aber zumindest dann, wenn ich meinen Kopf aktiv mitspielen lasse. Und mittlerweile tut er das oftmals schon automatisch, wenn auch nur in zweiter Instanz. Eine mitlaufende Sicherungs- und Analyseschleife, eine Metabetrachtung des eigenen Selbsts. Nicht immer bewusst und auch nicht immer aktiv – was auch gar nicht gewollt ist – aber oft genug mit auf der Bildfläche.

Das ist gut, weil trotz möglicher emotionaler Kurzschlüsse das System online bleibt oder zumindest alleine wiederherstellende Maßnahmen einleitet und zur Not den Kundenservice anruft.
Das ist schlecht, weil durch die Enthüllung der “emotionalen Wirklichkeit” enorm viel Handlungspotential verloren geht. Emotionen sind handlungsweisend. Angst? Pass auf oder mach, dass du weg kommst. Schmerz? Ein Hinweis auf (potentielle) Gewebsschädigung mit der eindeutigen Aufforderung, entsprechenden Handlungen zu unterlassen und/oder für entsprechende Heilungsmöglichkeiten zu sorgen. Nicht mehr als eine neuronale Projektion. Kappt man die Verbindung, kann man seinen Arm sonstwielange irgendwo dagegen hauen, ohne dass das einen in irgendeiner Form berührt. Solche Menschen, wie auch die ohne Angstempfinden, haben kein einfaches Leben. Diese Phänomene existieren nicht ohne Grund, selbst, wenn sie mitunter grundlos und übersteigert auftreten können. Nichts, wogegen man nichts unternehmen könnte.

Was ich mich in diesem Zusammenhang übrigens einmal gefragt habe – und das ist der Punkt, an dem wir extrem vom ursprünglichen Thema abweichen -, ist die Sache mit dem Herzschmerz. Gut, laut wikipedia reicht auch ein “als wenn”. Dennoch ist es paradox, dass eine zwischenmenschliche Interaktion ausreicht, um die Psyche das Gefühl einer Gewebsschädigung projezieren zu lassen. Die Funktion ist klar: Bestrafung und Vermeidungsaufforderung. Man hat sich – aus welchen expliziten Gründen auch immer – von der Person fernzuhalten. Eigentlich vollkommen absurd. Genauso, wie das, was oftmals dafür verantwortlich ist: Liebe. Am besten in der übersteigerten Form, dass es ja nur den einen Menschen für einen gäbe und man die restliche Menschheit erst einmal ausblendet. So etwas bescheuertes. Aber wohl auch funktional, da es aneinander bindet und die Wahrscheinlichkeit des Zusammenbleibens erhöht, was wiederum für die Arterhaltung von großer Bedeutung ist. Sogesehen könnte man sagen “Liebe ist primitiv.”. Zumindest ist sie basal.

Um jetzt geschickt den Bogen zum eigentlichen Thema zurück zu schlagen: Das Wissen ändert nicht unbedingt und automatisch die Emotionen und das Verhalten. Nur weil man Pawlow kennt und das Prinzip der Konditionierung verstanden hat, ist man nicht immun dagegen. Vielleicht kann man sich zum Teil besser dagegen wehren, Reaktionen abmildern oder sie selbst verankern, aber… die Welt dreht sich weiter.
Genauso ist das bei den Emotionen. Ich mag sie beschreiben, begründen, dämpfen und zum Teil auch aushebeln können, aber sie bleiben immer noch da. Ich weiß zum Beispiel, dass ich verdammt nochmal hochgradig kritikunfähig bin, mich leicht angegriffen fühle, meine sogar herausgefunden zu haben, wieso und weshalb das so ist und springe dennoch auf die kleinsten Reize an wie Pawlows Hund beim Glockenklingeln. Und das ist für mein Innenleben alles andere als angenehm. Selbst, wenn ich die Folgen einigermaßen gut modifizieren kann. Auf der anderen Seite die Liebe zum Spiel, zur Herausforderung, sich (freiwillig) zu beweisen und zu verbessern. Auch hier nichts anderes als der Hund, der zu sabbern anfängt.

Und das ist beides – exemplarisch herausgegriffen – auch gut so. Nicht, dass man es nicht ändern könnte und gerade in ersterem Fall ist es von meiner Seite aus wünschenswert1, aber… es bietet Raum für Entwicklung. Platz, den ich nicht einfach so entfernen möchte.2

Eine “Entemotionalisierung” in der beschriebenen Form stellt einen oftmals an den Rand. Weil man die Dinge, ich nenne es jetzt einfach mal klarer sieht als andere. Du bist traurig? Dass ist, weil…. Etwas, womit viele Menschen nicht zurecht kommen.3 Zumindest scheint es mir so. Dabei hilft gerade dieses Wissen etwas daran zu ändern. Außer, wenn man “gefühllos” da steht.

Ich glaube, je besser man die Prinzipien des Lebens versteht, desto weiter entfernt man sich von ihm. Eine Aufgabe, die mich wohl noch einige Zeit kosten wird. Verständnis und Leben miteinander zu vereinen: Verständnis fürs Leben.

Robby, blablubb *lach*4

  1. Der zweite Fall wohl eher von außen. Ich mag ihn. Eigentlich. []
  2. Auch nicht, wenn es dann anderen gäbe ;) []
  3. Anzumerken ist, dass ich nicht immer derartig reagiere. Oder es zumindest versuche. Nur kommt es oftmals nur zu einem Schulterzucken: “Ja und?!” []
  4. wie unsinnig… []

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