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Modelcasting

Die Vorgeschichte
Meine Mutter meinte ja schon “immer”, dass solche leptosomen Typen wie ich zum Model geeignet sind. Zumindest derzeit. Und nachdem ich in einem Schuhladen männliche Werbeträger sah, entgegnete ich zur Liebsten, dass ich das wohl auch gerade noch hinbekommen würde. Denn so besonders sahen die nicht aus.1 Von der Ansage auch einfach mal bei GNTM mitzumachen mal ganz zu schweigen :D
Unabhängig davon und kurz danach ergab sich, dass ich im studivz vor etwas mehr als einer Woche eine Einladung zu einem Modelcasting in meinem Postfach hatte *lach* Modestudenten von der Schule für Mode und Design suchen Leute für ihre Modelgruppe, die wiederum die selbstgefertigten Kollektionen präsentieren soll. Allein die Anfrage hat in mir ein schockiert-begeistertes “Mwahaha.” ausgelöst. Ich sagte zu. Das Casting war heute morgen. Eine Selbsterfahrung sondersgleichen.

Der Weg zum Casting
Aus psychologischer Sicht hatte ich nicht viel zu verlieren. Ich werde gefragt, ich gehe – daraufhin, als Reaktion! – hin und entweder es passt oder es passt nicht. Dass das Selbst natürlich dennoch ins Schwanken gerät, ist vielleicht nicht unumgänglich, aber war zumindest nicht überraschend. Mein Geist war dementsprechend losgelöst und frei, mein Körper sah die Situation anders.2 In meinen Überlegungen Körper durch Unbewusstsein ersetzt. Die menschliche Ummantelung manifestiert jenes nur. Die Angst vor Ablehnung. Kringel drum!
Dementsprechend hat mein Körper überreagiert, meine alltägliche Souveränität von den Füßen geholt und die Ausstrahlung in sich gezogen.

Bemerkenswert auch die Salienz: Wer könnte noch dorthin gehen? Wenn der dahin geht, dann… Der explizite Gedanke, dass es egal ist, wie man ist. Wichtig ist, mit wem man sich vergleicht. Gleichzeitig vollkommen redundant. Eigentlich.
Berauschend übrigens, wenn man seinen eigenen Ich-Prototypen sieht. Selbstbewusstere Ausstrahlung, größer, hübscher, bessere Frisur, stilvollere Kleidung. Eben ich, nur besser *lach*3

Das Casting
Pünktlich, kurz vor zehn, trete ich – zumindest für mich offensichtlich unsicher – durch die Tür. Rechts eine Reihe junger Mädchen sitzend, grüße ich, bekomme ein Pappnummernschild [Ich wollte eins zum Aufkleben!], stelle mich beim Befestigen aufgrund der Aufregung übermäßig dämlich an und bin, nach augenscheinlicher Single-Präsenz, doch nicht der einzige männliche Kandidat.
Was soll ich sagen? Soziale Hemmung trifft es am ehesten. Diese Fleischbeschau-Darstellung, die beobachtenden und bewertenden Augen, die auf einen gerichtet sind. I don’t like that. Zumindest nicht bei Menschen, die ich nicht kenne und denen ich nicht zu einem gewissen Grad vertraue. Diverse Laufanforderungen, von “Lauft einfach mal zum Takt.” über arrogant, cool und langsam bis hin zu ausgeflippt respektive abspacken.

Ich will nicht sagen, es war ein Krampf, aber… eine gewisse Unwirklichkeit. Ich möchte an der Stelle regelrecht “Scheiß Selbstbeobachtung.” sagen, aber die Unechtheitsempfindung war schon recht merkwürdig. Ich meine, ich stelle mich gerne dar und habe auch mein Repertoire, aber dann irgendwelchen Scheiß zu posen, einfach, damit mal Abwechslung rein kommt und man nicht ständig gleich da steht, oh mein Gott. Nicht umsonst galt an uns immer die Ansage “Lockerer.” – mit der Zeit ging’s.
Das “Paarmodeln” hingegen fand ich, vor allem im Vergleich, einfach und gut. Weil man – in dem Fall ich – subjektiv aus dem Beobachtungsfokus raus rückt und viel ungezwungener und freier laufen kann. Dazu noch eine dyadisch-kreative Pose und es passt.

Insgesamt war es eine Herausforderung. Sich vor anderen, wildfremden Menschen darstellen, innerhalb von wenigen Minuten lockerer werden und am Ende absolut bescheuert ausflippen und aus sich zu gehen4… ist nicht so einfach für eine Person mit meiner Persönlichkeitsstruktur. Scheinbar habe ich das Ganze doch recht gut gemeistert, was mich irgendwie noch mehr entsetzt als die eigentliche Anfrage. Will heißen, ich beschreite jetzt den Pfad des Hobbymodels. So lässt sich das wohl am zutreffensten beschreiben *lach*

Das Warum
Die große Frage ist natürlich, warum? Immerhin gibt es kein Geld dafür, kostet zusätzliche Zeit und macht demzufolge entsprechenden Mehraufwand. Auf die große Entdeckung hoffe ich nicht, würde ich aber womöglich dennoch mitnehmen. Je nachdem wie es sich entwickelt, kann ich mich später zusätzlich auf professionellerer Basis umsehen. Beides sind jedoch nur Randfaktoren.

Ich denke, diese Tätigkeit eröffnet mir ein unerschlossenes Persönlichkeitsfeld. Auf dem Heimweg dachte ich über die richtige Formulierung nach. Degenerativ kam mir als erstes in den Sinn, war aber zu verwerfen. Es ist nichts, was sich zurückgebildet hat, sondern etwas, was eigentlich noch nie da war. Vielleicht habe ich hier die Möglichkeit, mein Persönlichkeitsspektrum zu verbreitern. Mehr Lockerheit, weniger Selbstbeobachtung, verbesserter optischer Ausdruck. Nicht, dass ich den status quo wegwerfen wollen würde, aber ich möchte ihn erweitern. Flexibler werden, mehr Möglichkeiten gewinnen, neue Seiten entdecken und angliedern. Auch, wenn ein ganzer Teil Skepsis diesbezüglich in mir wohnt.

Im Idealfall verbessert sich zudem mein rudimentär ausgebildeter Kleidungsgeschmack und Stil. Zudem die Möglichkeit der Erschließung von Kontakten. Und Kontakt. Kontakt zur Realität, auch wenn ich sie nicht mag. Aber man muss sich ja arrangieren. Also schauen wir mal ;)

Das Resümee
Ich möchte nicht sagen, es gehöre nichts zum “Modeln”, aber im Endeffekt ist es so, wie ich letztens gesagt habe: Es kann quasi jede/r machen. Die Mädchen, die sie dort genommen haben, waren… eben einfache Mädchen. So, wie sie einem zu Hauf in der Stadt begegnen. Ein bisschen Selbstbewusstsein und Taktgefühl, je nach Designer/Modelagenten zusätzlich die Erfüllung diverser mehr oder minder hoher Kriterien, eine gewisse Körperspannung und Offenheit für den ausgeflippten Scheiß, that’s it.

Alles andere kann man lernen, wie bei vielen anderen Dingen auch.

Robby, einfach machen

  1. Aber das Thema hatte ich zum Teil ja schon hier abgehandelt. []
  2. Was wiederum natürlich auch den Geist zu einem gewissen Grad befallen hat. Eine interaktionslose “Koexistenz” ist ja nicht möglich. []
  3. Das aber nur am Rande. Ja, die Unsinnigkeit dieses Gedanken ist mir bewusst. Aber hey, es geht wie gesagt um Typen/Rollen, nicht um Individuen. []
  4. Mit Alkohol wäre das ja wenigstens noch gegangen oder rechtfertigen zu wesen… []

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2 Responses to “Modelcasting”

  1. on 05 Apr 2009 at 19:35 Schaf

    Bah! Dieses ‘ausflippen’ (und was die da noch verlangten) klingt wirklich übelst befremdlich, gezwungen, abschreckend.
    Aber schön, dass du Erfolg damit hattest – bin gespannt wie deine “Modelkarriere” weitergeht ;)

  2. on 05 Apr 2009 at 19:53 Robby

    Sie muss ja erst einmal anfangen *lach*


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