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Der Anzug

Ich trage einen Anzug.
Er und ich, wir, erzeugen eine Reaktion. Ein Bild. Kreieren Vorstellungen und Erwartungen. Das ist das Tolle an Menschen, die einen nicht kennen. Dass sie unweigerlich Schubladen auf- und zuziehen und sich an dem orientieren, was sie dort sehen. Das ist das Tolle an Menschen. Wer kennt schon wirklich einen anderen, überhaupt sich selbst?

Rollenspiel.

Welchen Eindruck wir wohl vermitteln, er und ich? Einige dachten im ersten Moment womöglich “Was für ein überzogenes Outfit.”, “Wichtigtuer.” oder “Bestimmt von der Bank direkt hier her gekommen.”. Andere fanden vielleicht gefallen an ihm, oder mir, uns beiden. Und wenige würden wohl sagen: “Die Sambas passen nicht.” Weder zum Anzug noch zueinander. Der eine geschliffen, der andere bis oben hin zugeschnürt. All jene, die zum neugierigen Nachschauen gerade ihre Köpfe reckten, dürfen jetzt über sich selbst schmunzeln.

Man stelle sich vor: Die Zeit friert ein, mein Abbild verblasst in der Vorstellung der Köpfe. Ich stehe auf, mein Jacket sinkt zu Boden, die Krawatte fällt vom Hals, das Hemd krampft nicht mehr in der Hose und der oberste Knopf verschafft, nunmehr geöffnet, Luft zum Atmen. Die Zeit läuft weiter, aber ein neuer, erster Eindruck entsteht.

Wie wäre – beziehungsweise ist – er dieses Mal? “Kreativer Werbetexter.”, “Lockerer Typ.”, “Stilvoll, charmant und selbstbewusst.” oder immer noch der “Wichtigtuer.” von eben? Kleine Änderungen im Detail geben dem Gesamten mitunter eine vollkommen andere Erscheinung und Interpretation. Die Schuhe wollen immer noch nicht recht passen.

Man stelle sich vor: Die Zeit friert ein, mein Abbild verblasst in der Vorstellung der Köpfe. Ich stehe auf, knöpfe mein Hemd, ziehe es aus, schlüpfe kurz aus den Schuhen, öffne die Hose und lasse auch sie fallen. Die Zeit läuft weiter, aber ein neuer, erster Eindruck entsteht.

Kein Glanz mehr des edlen Stoffes, keine Sambas, die nicht wirklich zu ihm und zueinander passen. Ein wesentlich jüngerer Typ, der mit seinem Smilie auf dem T-Shirt kindlich-infantil erscheint und mit einer kurzen Hose wohl die abendlichen Temperaturen verrafft hat. “Freak-Nerd-Geek”, von den hintergründigen Gedanken, die dieser oberflächlichen Beschreibung folgen, mal ganz zu schweigen.

Man stelle sich vor: Die Zeit friert ein, mein Abbild verblasst in der Vorstellung der Köpfe. Ich zöge das T-Shirt über den Kopf, würde die Socken von meinen Füßen streifen und auch die kurze Hose zu Boden gleiten lassen. Die Zeit würde weiterlaufen, aber ein neuer, erster Eindruck entstehen.

Kein Anzug und kein Smilie. Wer oder was bin ich dieses Mal? Bänker, Kreativer, Freak? Alles drei, nichts davon, etwas anderes?! Ich bin gedanklich fast nackt. Aber immer noch eine Rolle.
Immer noch?

Vier Kostüme, vier Verkleidungen, vier Rollen. Aber nur ein Mensch.

Robby, einer von vielen1

  1. Exklusivbeitrag für die 3. Thüringer Bloglesung []

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8 Responses to “Der Anzug”

  1. on 08 Jun 2009 at 01:40 Ingo

    …schönes Gedankenspiel, welches ich – allerdings eher in umgekehrter Reihenfolge – manchmal selber gerne betreibe: Wenn ich in die Sauna gehe, lasse ich hin und wieder auch gerne meine Phantasie schweifen, welche Rolle meine gänzlich unbekleideten, schwitzenden Banknachbarn wohl so im Leben “draußen” einnehmen. Dabei kann es durchaus Spaß machen, sich den wildesten Spekulationen hinzugeben. ;-)

  2. [...] im Nachklang zur 3.TBL an einigen Stellen Deutungen zu meinem Beitrag Der Anzug anklingen und sich diese teilweise von dem entfernen, was mir so vorschwebte1, möchte ich hier [...]

  3. on 08 Jun 2009 at 11:38 Robby

    Ja, das habe ich mir auch schon mal überlegt. Schwimmbad, fast nackte Menschen und die Frage, ob man sie (/ihre Persönlichkeit) anhand ihrer rein physischen Präsenz einschätzen kann. Ich denke allerdings es ist leichter mich als das ganze Publikum auszuziehen ;) :D

    Eine Antwort kommt übrigens noch, bin bisher noch nicht dazu gekommen… I’m sorry.

  4. [...] im ICQ anhauen oder sich mit mir auf’n Kaffee treffen. Alles andere ist nicht mehr als der Anzug. Wem der reicht, kein Problem, nur sollten die Schichten dahinter und darunter im Hinterkopf [...]

  5. [...] von Robby, Blog: “Vom Leben [...]

  6. on 31 Aug 2009 at 17:48 Kenny

    Ich kann wunderschöne Anzüge bei http://www.hierwareinwerbelink.com empfehlen!

  7. on 31 Aug 2009 at 17:51 Robby

    Und ich kann unpassende Werbekommentare editieren, toll, nicht?! :D

  8. on 27 Mai 2012 at 17:12 Anima

    :D …köstliche kommentare.


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