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Sammelbecken der Gefühle

Es ist ein Phänomen, was ich seit einiger Zeit wahrnehme und hier auch schon thematisiert habe: Doppelkernprozesse. Das Parallellaufen von Empathie und Rationalität. Der Körper, der auf der gefühlsmäßigen Ebene mit einsteigt und der Geist, der trotz der emotionalen Befangenheit und Verschleierung nicht befangen und verschleiert ist. Wie auf Knopfdruck kann ich die emotionale Komponente wegschließen und beiseite schieben.

Nun ist Empathie ja zweifelsohne wichtig. Sei es im therapeutischen oder privaten Kontext. Aber wenn der Gegenüber emotional getroffen ist, bringt es ihm nichts, wenn man die ganze Zeit mitweint. Betonung liegt auf ganze Zeit. Da gibt es mit Sicherheit Unterschiede, wer wie viel emotionale Anteilnahme braucht. Es kann ja durchaus ganz hilfreich sein, sich weinend gegenüber zu stehen um sich anschließend umarmend-tröstend zu ertränken, bis es wieder besser ist. Das schließe ich ja nicht aus, nicht einmal für mich. Aber ich finde es wichtig, seine Gefühle kontrollieren zu können. Vor allem die, die einem nicht gehören.

Das ist nach meinen bisherigen Beobachtungen auch der entscheidende Punkt. Der Unterschied zwischen der zeitweisen empathischen Gefühlsübernahme und der wirklich eigenen Betroffenheit. Im ersten Fall mache ich quasi eine Bubble auf, in die alles reinkommt, ver- und bearbeitet und zum Teil eben auch emotional durchlebt wird. Nur wenn die Bubble zugemacht wird, ist sie zu. Business as usual. Ich trete also in der Hinsicht in eine Sphäre, interagiere in ihr und laufe aus ihr heraus als wäre nichts geschehen. Bei aller emotionalen Anteilnahme, aber ich liebe diese innere Distanz. Man taucht ein in die Situation und die Welt des anderen, geht darin aber nicht unter. Mit einem Klick versickert das Wasser im Sand und man hat wieder Boden unter den Füßen.

Das Beschriebene gilt natürlich vorderrangig bis ausschließlich für die Auseinandersetzung mit emotionalen Belastungen anderer. Es ist keinem geholfen, wenn am Ende zwei Emotional-Verkrüppelte am Boden liegen. Dass man sich auch im Positiven im Gefühlsrausch eines anderen Menschen verlieren kann…

Was den Umgang mit und den Ausdruck eigener Betroffenheit anbetrifft, versuche ich in konfliktären Situationen mittlerweile beide Gleise zu befahren. In der Hoffnung, dass die andere Person ein Blick für beide Strecken hat und der gemeinsame Weg korrigiert wird. Sprich es gibt die emotional gefärbte Breitseite, die mitunter ziemlich intensiv sein kann, obwohl ich sie mittlerweile schon zu dämpfen versuche, und parallel dazu eine Beschreibung meiner emotionalen Empfindungen, Ursachen und Gründe. Man schlägt meistens zurück, wenn man getroffen wurde. Manchmal weiß man aber gar nicht ob der ganzen wunden Punkte, die ein anderer mit sich trägt.

In schriftlicher Form macht sich das ziemlich gut. Man lässt erst seine emotionale Reaktion laufen, um die erzielte Wirkung dann abzuschwächen und zu relativieren. Aber der erste Schritt ist notwendig, zumindest für mich. Das Gefühl und die Verletztheit müssen raus, selbst wenn das den anderen im Gegenzug ebenso trifft. Der zweite Schritt, so wurde mir gestern mitgeteilt, versaut’s. Also das Verfassen einer ebenso emotional-blinden Antwort. Mit denen schaukelt man sich nämlich sehr schnell auf und oftmals dort hin, wo man gar nicht hin möchte. Einfach mal die Augen aufmachen.

Gibt man dem Ausdruck meiner emotionalen Verletztheit ein Bild, so ist es wohl der Kampf gegen sich selbst. Der Dolch, der in der einen Hand wie von alleine geführt auf den anderen zurast und man selbst versucht ihn und sich selbst zu stoppen. Mit dem Wissen, dass man dennoch einschlägt und trifft. Die Lichtkugel in der anderen, der die unumgänglich zugefügte Wunde am besten im Moment des Zufügens mildert bis heilt. Jemanden zu verletzen ist unumgänglich. Die Frage ist nur, wie stark.

Was den Ausdruck positiver (oder generell tief-persönlicher) Empfindungen angeht: I am covered in skin.

Robby, colorblind

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2 Responses to “Sammelbecken der Gefühle”

  1. [...] Sammelbecken ist übrigens für den Arsch, wenn die richtigen Gefühle kommen. Die laufen über [...]

  2. [...] auch hier gilt zu sagen, ich lerne damit umzugehen. Vor allem die Gleichschaltung von Empathie und Distanz, zumindest in Interaktion mit anderen Menschen. Das variiert natürlich von Person zu Person. [...]


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