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Narzisstische Schwachstelle

Ehrlich gesagt ist Narzissmus etwas tolles. Überheblichkeit und grandiose Selbstüberschätzung, die zu ungeahnten Erfolgen führen, welche man sich nie erträumt hätte. Man findet sich toll – und ist es auch. Menschen sind begeistert, fasziniert, beeindruckt. Schauen auf zu dem Lichtkegel, in dem man sich sonnt und verkennen, dass dahinter nur ein ebenso kleiner und schwacher Mensch steckt, wie sie selbst. Oder sagen wir: genauso stecken kann.

Es gibt immer zwei Seiten der Medaille, manchmal auch mehr, als dass dieser einfache schwarz-weiß-Vergleich überhaupt angemessen und zulässig wäre. Jeder Gewinn zieht auch immer einen Verlust nach sich. Selbst dann, wenn man den im ersten Moment nicht sieht. Falls man denn zu dieser Erkenntnis überhaupt irgendwann einmal gelangt. Umgekehrt bedeutet dies aber genauso: Jeder Verlust birgt auch einen Gewinn. Doch den sehen wohl noch weniger Menschen.

Die Kehrseite bei Narzissten ist… ich könnte sagen, “Sie sind eingesperrt.”. Aber das wäre wohl nur die halbe Wahrheit. Das Hauptproblem, dass andere Menschen und vermutlich Hardcore-Narzissten auch selbst verkennen, ist, dass hinter der Bühnenfigur auch nur eine verlorene Seele steht. Etwas, das beide Seiten wohl auch nur bedingt zu sehen bekommen. Schwäche ist verachtenswert, Mitleid abartig und statt jemanden um Hilfe zu fragen, scheitert man lieber und geht unter. Sich selbst diese Verletzlich- bis Minderwertigkeit einzugestehen, und diese auch anderen gegenüber zu öffnen, bedarf wohl hoher (Selbst-)Reflektion und vor allem Vertrauen. Langsam. Schrittweise. Jederzeit bereit, die Waffen wieder hoch zu reißen und sie dem anderen gekonnt in den Hals zu rammen. Etwas, was scheiße, aber ein Automatismus ist. Gefühlter Angriff – Gegenangriff, und das in einer Härte, die klar macht, wer das Geschehen dominiert. Dafür, dass man die Waffen weder in Griffreichweite hat noch am Körper trägt, braucht es vielleicht nicht Naivität, aber so etwas wie Urvertrauen. Ein unbedingtes Gefühl der Verbundenheit, das einem die Sicherheit gibt, einen Gleich- und vor allem Wohlgesinnten gefunden zu haben. Doch selbst vor solchen Personen ist das Ausziehen immer so eine Sache.

Es ist das Ego. Man sieht sich zu einem gehörigen Grad als Non-plus-Ultra – und möchte natürlich auch als solches angesehen werden. Kritik in jedweder Form ist unberechtigt und wird demonstrativ niedergeschlagen. Hinzu kommt die Angst, unwichtig und ersetzbar zu sein. Und das, obwohl man so einzigartig und toll ist. Die Angst davor (wieder) allein gelassen und vergessen zu werden. Eine neue Narbe auf die Seele gezeichnet zu bekommen. Nicht mehr geliebt zu werden. Man selbst steht ganz oben, ist die Nummer 1 und da darf auch kein anderer hin, selbst wenn man nicht mehr da oben steht und nicht mal mehr stehen will.

Das Miese daran: Automatismus. Es ist, wie so viele andere Reaktionsweisen der Menschen, automatisiert. Im Unterbewusstsein aufgrund welcher Erfahrungen auch immer verankert. Es ist wie die Explosion eines Staudamms. Schon mal versucht die Wassermassen aufzuhalten, die einem dort entgegen kommen?

Das Gute daran: Man kriegt es unter Kontrolle. Man muss sich eben nur – so abstrus das klingen mag – in die Wassermassen stellen. Der Fels in der Brandung – beziehungsweise bei der Flutwelle ein zweiter Staudamm. Das ändert nichts an der Explosion, aber an dem Ausmaß des Schadens. Man bekommt eins in die Fresse, ob gezielt oder unvorsichtig unbeabsichtigt, aber prügelt den anderen nicht gleich nieder. Natürlich verspürt man das Verlangen und die Tendenz, aber man kann es modifizieren – eben eine Barriere einziehen. Sich nicht von Gefühlen leiten lassen, sondern stoppen und sie hinterfragen, verändern. Das ist bei derartigen Explosionsgefühlen ehrlich gesagt verdammt schwierig und ein enormer Kraftaufwand, aber eben machbar. Seine Gefühle wahrzunehmen, zu akzeptieren und sie umzulenken. Zumindest, wenn es angemessen ist, was es oftmals ist. Eine Kritikempfindlichkeit sondersgleichen.

Ehrlich gesagt hoffe ich, dass ich den Automatismus irgendwann einmal umlegen kann. Ja, da gibt es natürlich einfache Mittel und Wege1, aber dann kann ich nicht mehr daraus und davon lernen. Es ist interessant, sich selbst abspacken und unkontrolliert reagieren zu sehen und dabei in einer  Art Zwischenwelt zu stehen. Als Reagierender, Beobachter und ebenso als Agierender, der die Reaktion verändern kann. Das hat was, wenngleich es in der Akutsituation alles andere als angenehm ist. Aber es ist interessant.

Bis es soweit ist, ich meine narzisstischen Korrumptionen abgelegt und einen erwachsenen beziehungsweise gesunden Narzissmus gefunden habe, sollte ich wohl mal wieder “Dr. House” gucken und endlich “Grundformen der Angst” lesen.
Ehrlich gesagt: Bewusst ist meine narzisstische Ader mittlerweile wohl ganz okay. Ich kenne eine Vielzahl meiner Fehler, Ängste, Schwächen und Sorgen. Ich weiß, dass nicht alle das wollen, was ich ihnen geben kann – und kann das akzeptieren.2 Ich kann mich damit abfinden, “dass es alles schon mal gegeben hat. Und das alles, was man mit Menschen machen kann, schon mal gemacht worden ist.”3. Damit, nicht das Non-Plus-Ultra und die absolute Nummer Eins zu sein. Und das ist okay. Es ist eben bereits eine ganze Spur softer. Klar sind Tendenzen und ein gewisses Streben wohl immer noch vorhanden, aber eben auch das Wissen, dass es nichts bringt.

Nur hat das das Unterbewusstsein scheinbar noch nicht verstanden und reagiert fleißig weiter drauf. Kritik hier, keine Vergötterung da – fluten wir den kleinen Körper doch mal mit Leid, Schmerz und Angst. Aber hey, ich kann damit umgehen. Oder lerne es zumindest stetig.

Zum Abschluss möchte ich Franz Kafka zitieren, mit einem Zitat, das mir ausgesprochen gut gefällt und eigentlich jederzeit zu berücksichtigen gilt:4

“Wenn Du vor mir stehst und mich ansiehst, was weißt Du von den Schmerzen, die in mir sind und was weiß ich von den Deinen. Und wenn ich mich vor Dir niederwerfen würde und weinen und erzählen, was wüßtest Du von mir mehr als von der Hölle, wenn Dir jemand erzählt, sie ist heiß und fürchterlich. Schon darum sollten wir Menschen vor einander so ehrfürchtig, so nachdenklich, so liebend stehn wie vor dem Eingang zur Hölle…”

Robby, es geht immer nur um einen selbst.5

  1. Psychotherapie, NLP, Hypnose, was auch immer. []
  2. Ich mache Angebote ;) []
  3. Zitat aus Chasing Amy, siehe hier. []
  4. Nicht nur gegenüber Narzissten *fg* []
  5. Immer! Auf die eine oder andere Art und Weise. []

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