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Fremdgehen ist böse, verwerflich und schlimm. Aber bei erfolgreicher Durchführung auch der Beweis dafür, dass man es übelst drauf hat. Betrügen stellt einen vor eine Vielzahl Herausforderungen und ist vermutlich schwieriger und anspruchsvoller, als es nicht zu tun. Zumindest, wenn man vor hat sich nicht erwischen zu lassen oder aufzufliegen.

Je nach privater und beruflicher Einbettung sind verbotene Treffen eine logistische Meisterleistung. Termine müssen abgestimmt, geheime Orte gefunden, Coverstories ausgedacht und bei Bedarf verkauft werden. Man konstruiert eine zweite Scheinwirklichkeit neben der ersten und lebt dazwischen. Und solange man selbst damit umgehen kann, ist alles in Ordnung. Idealerweise können alle Seiten davon profitieren, es weiß nur niemand davon.

Richtig fremdgehen halte ich daher für alles andere als verwerflich, denn dabei kommt niemand zu Schaden. Man weiß, was man tut. Man kann damit umgehen. Und alles ist gut. Wobei es nicht ganz so einfach ist, bedarf es einer Vielzahl Voraussetzungen: Man muss damit moralisch klarkommen, wie auch die andere Person. Man muss die Spielregeln kennen, respektieren und einhalten. Man muss trotzdessen unabdingbar loyal gegenüber seinem Partner sein, was für einige wie ein Widerspruch klingen mag. Man muss den Schein aufrecht erhalten, darf sich nur auf sich und maximal den Gegenüber verlassen und die Sache durchziehen, ohne Dritte mit hinein zu ziehen. Wenn man darüber redet, sollte man aufpassen und sich genau sicher sein, mit wem. Und der wohl wichtigste Faktor: Meide Zufälle.

Wenn beim Fremdgehen etwas entscheidend ist, dann sind es genügend Fallschirme und Reißleinen. Menschen, die zu Hause oder im nahen Umfeld mit ihrer Affäre rummachen, haben es nicht anders verdient als aufzufliegen und platt gemacht zu werden. Das ist schlichtweg dumm und respektlos. Wenn man betrügt, dann richtig. Und dazu gilt es offensichtliche und hochwahrscheinliche Risiken zu vermeiden. Dann kann man zwar immer noch durch “dumme Zufälle” auffliegen, aber die erwischen einen auch anderweitig im Leben oft genug. Fakt ist, man muss so viel kontrollieren und absichern, wie man kann. Das einzige Problem bleibt dann eine unerwartete Begegnung mit oder Beobachtung durch Menschen, die meinen, dass Ehrlichkeit und eine Wahrheit, die nicht existiert, besser ist und die Gesamtkonstellation zum Platzen bringen.

Hmm, ich überlege gerade, wie es wäre, wenn ich von so etwas im Freundeskreis o.ä. mitbekäme. Vermutlich würde ich mit dem Übeltäter, egal ob männlich oder weiblich, reden, Gründe und Folgen erfahren und dementsprechend handeln. Wobei im Endeffekt jeder selbst für seine Beziehungen verantwortlich ist. Kommt auf die Personen drauf an, beste Freunde würden vielleicht nicht unbedingt Unterstützung, aber zumindest loyale Verschwiegenheit erhalten.

Hmm, warum sind derlei Dilemmata in meinem Leben bisher noch nicht aufgetaucht?! *lach* So etwas macht es doch erst interessant.

Robby, Moral ist eine Hure

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8 Responses to “Erfolgreich fremdgehen als Fähigkeitennachweis”

  1. on 10 Okt 2009 at 18:24 Sven E.

    Ist die Aussage “Wahrheit, die nicht existiert” nur hier im Kontext oder sogar allgemein zu verstehen?

    Sehr interessanter Gedankengang, auch wenn ich der Meinung bin, dass Untreue und Loyalität in einem sehr harten Widerspruch stehen. Natürlich kann man seinem Partner in allen anderen Punkten noch überaus loyal sein und trotzdem sehe ich die Loyalität schon in dem Moment als reichlich beschädigt an, in dem das Vertrauen des anderen in gewisser Hinsicht missbraucht wird.

    Wie du schon richtig sagst, muss man moralisch damit klarkommen und obwohl mein eigenes Wohlbefinden für mich bisher immer oberste Priorität hat (was übrigens, nach meiner Definition von Liebe, in einer Beziehung nicht mehr so sein muss), könnte ich nie fremdgehen, weil ich weiß, wie es mich selbst aus der Bahn werfen würde, sollte meine Partnerin mir das antun. Denn bei aller Perfektion ist immer die Chance da, dass es auffliegt.

    Als bester Freund würde ich aber in fast allen Fällen Verschwiegenheit bewahren, sollte ich herausfinden, dass ein guter Kumpel seiner Freundin untreu ist. Ich mische mich nicht in fremde Angelegenheiten ein, wenn ich nicht selber einen Vorteil ziehen – und bei Freunden selbst dann nicht.

  2. on 10 Okt 2009 at 19:22 Robby

    Allgemein. Stichwort Konstruktivismus, wobei man den ja mit sich selbst in Frage stellen kann, siehe der hier ist der erste, der mir dazu einfiel. Dortige Links führen eventuell weiter.

    Wieso hat dein Wohlbefinden in einer Beziehnung nicht mehr oberste Priorität? Klar kümmert man sich um die Partnerin, aber zumindest bei mir koppelt das (mein eigenes Handeln) zurück und dient daher im Endeffekt auch bis nur mir. Nur dass eben noch jemand anderes davon profitiert.
    Was das Fremdgegangenwerden anbetrifft: Ich würde es nicht wissen wollen. “Ich möchte ehrlich zu dir sein.” bringt einen ja nicht weiter, weil das eine rein egoistische Handlung ist und den schwarzen Peter nur weiter gibt. Habe ich auch irgendwo schon mal gebloggt, finde ich aber gerade nicht. Jeder sollte sich möglichen Konsequenzen und der Verantwortung bewusst sein, bei dem was er tut. Unabhängig davon, was es ist. Simple Kosten-Nutzen-Rechnung, vereinfacht gesagt. Wenn man natürlich die Frau seines Lebens gefunden hat, sollte sich das Fremdgehen erübrigen.

    Zumal ich ja nicht dazu aufrufe oder es gutheiße. Nur gibt es Konstellationen, wo es a) verständlich und b) vielleicht sogar förderlich ist. Wenn A mit C eine Affäre hat und das die Beziehung von A und B beflügelt, kann die verbotene Konstellation ja sogar stabilisierend wirken. Dass dabei Sex im Spiel ist… nun ja, Sex wird überbewertet. Wobei ich diese Emotionsketten auch noch in mir trage. Rein rational gesehen aber wie gesagt vollkommen widersinnig. Es ist eben Angst. Angst, überflüssig zu werden. Mwah, dazu finde ich den Eintrag nicht, dafür habe ich aber immerhin noch den gefunden.

    Ich sollte mal meine Einträge besser clustern…

  3. on 10 Okt 2009 at 20:03 Sven E.

    Langfristig gesehen hast du mit der Rückkopplung natürlich recht, aber ich habe in Beziehungen auch die Erfahrung gemacht, dass ich zugunsten der Partnerin eigene Interessen zurückgestellt habe und auch wusste, dass es langfristig die richtige Entscheidung ist, aber trotzdem für den Moment / Tag der Rückkopplungs-Effekt nicht stark genug war, mich glücklich (am jeweiligen Tag) glücklich zu machen.

    Das mit der Rückkopplung ist eh so ‘ne Sache. Ein negativer Effekt ist komischerweise immer viel stärker als ein positiver. Wenn ich weiß, dass die Freundin für mich Interessen zurückstellt, geht es mir richtig schlecht. Und es ist doch auch so, dass Treue, weil es als Normalzustand gesehen wird, fast gar keinen sichtbaren positiven Effekt hat, während das Verletzen der Freundin einen in tiefe persönliche Krisen stürzen kann.

    Ich bewundere auch Menschen, bei denen eine Affäre wirklich die Beziehung beflügelt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das bei mir funktionieren würde.

    Es ist übrigens lustig, dass du dich selbst zitierst, weil ich oft davon ausgehe, dass du zu meinen Punkten schon etwas geschrieben hast. Ich find’s großartig, weil ich, zugegeben, nicht alles hier gelesen habe und letztendlich deine Gedanken trotzdem besser nachvollziehen kann (ohne, dass du alles ein weiteres Mal aufschreiben musst.)

  4. on 10 Okt 2009 at 21:30 Robby

    Natürlich “muss” man Abstriche machen und Kompromisse eingehen. Zumindest in gewissem Maße ist das unumgänglich. Dauerhaft sieht das aber anders aus und führt – im vernünftigsten Fall – zur Trennung.

    Ja. Man sieht nur das Schlechte wäre alles Gute als normal und Status Quo angesehen wird. Was die Rückkopplung angeht, missverstehen wir uns vermutlich. Ich meine das im Sinne von “Ich mache mich glücklich, indem ich dich glücklich mache.”. Siehe hier.

    Nun ja, ich kann das praktisch auch nicht beurteilen. Kommt eben drauf an, was man will, sucht und braucht. Und MiM schrieb ja auch einmal, dass es kaum eine Frau gibt, die alle Anforderungen erfüllt. Ich meine, da reicht es die Pole Sicherheit und Freiheit (Spiel) aufzuspannen. Bindung und Autonomie. Da ein dynamisch-flexibles Gleichgewicht mit einer Person aufzuspannen… herausfordernd.

    Dafür sind die Links da (für ein höheres Verständnis). Freut mich, dass sie dir nützen. Und dass jemand 2000 Einträge, von denen viele Müll sind, nachliest oder sich die Interessanten nachträglich raussucht, ist nicht zu erwarten und tue ich auch nicht. Und da ich Zusammenhänge besser kenne und schneller (wieder-)finde, kann ich diese in einer Diskussion auch einfach aufzeigen. In dem Sinne bitte und danke.

    btw.: Das Kommentieren deines letzten Eintrags wurde mir mehrfach verwehrt (Spambarriere). Daher hier die Kürzestversion: Word!

  5. on 11 Okt 2009 at 00:38 Sven E.

    Nee, ich verstehe Rückkopllung eigentlich so wie von dir eben beschrieben.

    (Und ich schau’ mal nach, warum Akismet wieder die falschen Email-Adressen bannt.)

  6. on 11 Okt 2009 at 00:49 Robby

    Mkay. Aber dann wäre die negative Rückkopplung ja eher im Sinne von “Ich tue ihr etwas Schlechtes und damit auch mir selbst.”, oder nicht?! Zumindest meinem Verständnis nach. Wobei man diese Effekte ja auch abfangen kann. Also schon im Sendeprozess. Umdeutung und solche Späße.

    Ah, du schreibst, die Freundin stellt ihre Interessen für dich zurück. Ich habe das vorhin andersrum gelesen… (Sie stellt dich hinter ihre Interessen.) Nun ja, sagen wir so: Ich habe keinen Bedarf, wenn es jemand nicht von sich aus macht, sondern nur mir zuliebe und aufgrund irgendwelcher Verpflichtungserscheinungen. Freiwilligkeit for teh win.

  7. on 13 Okt 2009 at 07:53 M.i.M.

    Diesen Text habe ich mir gerade ausgedruckt und in meinen privaten Planer gelegt.

    Robby… einfach grandios.

  8. on 13 Okt 2009 at 09:01 Robby

    Danke.


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