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Es scheint mittlerweile fast Standard zu sein auf Geburtstagsfeiern zu gehen, auf denen ich niemanden kenne. Gestern Abend die der Sekretärin, in einer angenehm stilvollen Location und mit entsprechendem Dresscode. Krawattenknoten sind Krieg. Ich glaube, meine spätere Frau wähle ich nach der Fähigkeit eine Krawatte zu binden aus. Bestimmt zehn bis fünfzehn Minuten habe ich gezogen, gelöst, neu gezogen, genervt auseinander gefriemelt, bis ich zu einem ausreichend akzeptablem Ergebnis gekommen bin. Jacket übergeworfen, zuvor eingepacktes Geschenk geschnappt und mit unpassender Jackenbekleidung losgestiefelt.

Der Anfang der Party lief so wie erwartet. Begrüßt worden, Geschenk übergeben, zu Essen am Buffet geholt und mich zu einer der unzählig bestehenden (Sub-)Gruppen an einen Tisch gesetzt. Die Bedienung war äußerst charmant und wohl die charismatischste Erscheinung auf der Feier. Sehr ausstrahlungsstark mit schickem Tattoo am rechten Unterarm.1

Und so aß und trank ich und beobachtete das Geschehen. Versuchte Leute und Beziehungen einzuordnen und mir einen Eindruck und Überblick zu verschaffen.

Die kurze Tischvorstellung der Gastgeberin und Präsentation “ihres“ Praktikanten fruchtete nicht wirklich. Ich unterhielt mich kurz mit ihrem Freund und saß anschließend wieder alleine. Gruppenöffner bin ich noch nicht, vor allem nicht in einem Kontext, wo die anwesenden Personen wohl vollends verschiedenen von der meinigen sind.

Und so saß ich wieder alleine, reflektiere mich und das Verhalten der Gruppe und überlegte, wie lange ich mir das wohl antun würde. Ich beobachtete das typische Geschehen auf derartigen Veranstaltungen: die Mädels (größtenteils) auf der Tanzfläche, während die Kerle ihr Bier trinkend am Rand saßen, sich unterhielten oder ebenfalls zuschauten – jedenfalls nicht auf die entfernteste Idee kamen, sich in der Mitte zu präsentieren.

Und während ich meine Blicke schweifen ließ, mein zweites Glas fast Zug um Zug geleert hatte, wunk mich ein Mädel zu sich herüber. Sie saß einzige Zeit zuvor schon kurzzeitig in meiner Nähe und stellte dort die Titel gebende Frage mein rot gefärbtes Getränk betreffend: “Das ist doch jetzt kein Kirschsaft, oder?!“

Eigentlich war es mehr eine bestimmende Aufforderung als ein Wink. Ein “Komm her und setz’ dich neben mich“-Fingerzeig, was ich mit einem leichten Schmunzeln und Ergreifen meines Glases quittierte und meinen Platz wechselte.

Sie meinte, sie hätte mich da nicht alleine sitzen sehen können, konnte sich wohl gut in die Situation hineinversetzen, zumal sie auch nicht dem eingeschworenen Kreis angehörte, sondern über eine Freundin hinzukam, wenngleich sie die anderen zumindest vom Sehen schon zu kennen schien. Eine sehr nette „Geste“, die ich zu schätzen wusste und ihr im Laufe unseres Gesprächs auch mitteilte.

In der Hinsicht ist festzustellen, wie offensichtlich Frauen Nähe herstellen oder ausdrücken. Das fängt bei der Körperhaltung und –ausrichtung an, geht bei der Körpersprache weiter und wird durch Notwendigkeiten wie eine gewisse “Kopf am Kopf“-Position zum akustischen Verständnis aufgrund der lauten Musik verstärkt. Wenn man(n) wöllte, könnte man das absolut subtil nutzen und ausbauen.2 So war es einfach nur eine angenehme Unterhaltung3 mit gewinnbringenden Wahrnehmungen und Erkenntnissen im Umgang mit Frauen im Partykontext.

Im weiteren Verlauf, Gesprächspartner und –themen wechselten, die an sich richtig gute Musik verflachte und mein Kommunikationsstil ging in den Keller, schaffte ich es aus welchen Gründen auch immer nicht zu gehen. Vermutlich in der Hoffnung, die relativ abrupt unterbrochene Unterhaltung fortführen zu können. Oder aufgrund hemmender Systemkonstellationen. Egal. Ich bin jedenfalls viel zu spät losgekommen, weswegen ich diese Zeilen auch erst jetzt im Zug nach München4 schreibe. Weiterbildung, Geburtstagsfeier, seit zwei Wochen kein wirkliches Wochenende und Zeit zum vollkommenen Abschalten gehabt, heute Morgen schon wieder um kurz nach acht aufstehen müssen, jetzt im Zug nach München, die kommenden drei Nächte im Hostel und Mittwoch Abend erst wieder zu Hause… erschöpfend, oder zumindest einen gehörigen Anspruch stellend.

Ich merke, ich komme vom Thema ab. Was bei einer Restfahrzeit von knappen drei Stunden arg ausufern könnte. Punkt.

Robby, Gruppen öffnen lernen

  1. Genau konnte ich es nicht erkennen, aber es erinnerte mich an eine Mischung aus Kompass und Notenschlüssel. Jedenfalls harmonisch geschwungen. []
  2. Keine Sorge, Spatz :p []
  3. Von der es auch Fotos gibt. Wie auch von „erzwungenen“ Dreier- und Viererposen. []
  4. Es ist gerade 16 Uhr. []

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2 Responses to “Das ist doch jetzt kein Kirschsaft, oder?”

  1. on 08 Nov 2009 at 20:50 Schaf

    “Spatz”… (Das lese ich EINMAL die Fußnoten :D )

    Klingt sehr interessant! Die Situation kommt mir sehr bekannt vor… letztes Mal war ich froh unter einem Vorwand fliehen zu können. Aber manchmal ist man ja auch zu neugierig, ob es doch noch eine Wendung gibt, sodass man dann doch viel länger bleibt als geplant… jedenfalls schön, dass du nicht durchgehend der stille Beobachter warst sondern auch in die Unterhaltungen eingebunden warst.

    (Steff hat einen Notenschlüssel am Handgelenk, fällt mir da so ein.)

  2. on 08 Nov 2009 at 20:56 Robby

    Das ist ein Insider. Eigentlich waren wir bei Spast :D Spatz ist eine angemessenere Anspielung darauf xD Nicht mehr und nicht weniger.

    Naja, das zweite Gespräch war nicht ganz so toll wie das erste und Kram, weswegen es zumindest aufgrund dessen nicht wirklich einen Grund zu bleiben gab. Oder nicht zu gehen. Nun ja, bin ja heute morgen noch knapp genug rausgekommen.


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