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Der Tod gehört dazu

Der Selbstmord des Nationaltorhüters Robert Enke scheint fast ein Staatsereignis zu sein. Als ich gestern Morgen auf dem Weg zum Treffpunkt war, plakatierten verschiedenste Zeitungen in großen Lettern den tragischen und schockierenden Selbstmord. Schon am Abend zuvor war dieser bei Spiegel Online ganz oben auf Seite 1.

35.000 Menschen sind gestern in einem Trauerzug1 durch Hannover gezogen, laut Augenzeugenberichten sollen es sogar 50.000 gewesen sein.

Ich frage mich: “Wieso?” – und kann ehrlich gesagt nur mit den Schultern zucken.
Pro Jahr nehmen sich ungefähr 11.000 Menschen selbst das Leben. An dem Dienstag, an dem Robert Enke seine Entscheidung umsetzte, taten es ihm demnach schätzungsweise 29 andere Personen gleich. Wie viele tausend Menschen legen für diese Blumen, Kerzen, Schals und Trikots nieder? Wo sind die Kameras, Zeitungsberichte, schockierenden Meldungen?

Es gibt keine. Weil sie genauso uninteressant sind wie Robert Enke. Ein Mensch von vielen. Einer, der sich das Leben genommen hat. Punkt. Ich wette ein Großteil der Menschen, die jetzt um ihn trauern, hatten nichts, überhaupt nichts mit ihm zu tun. Und kommt mir bitte keiner mit Anteilnahme oder Mitgefühl.2 Jeder, der damit zu Felde zieht, sollte sich umgucken und schauen, wie anteilnehmend er am Leben seiner nächsten Menschen, Nachbarn, Arbeitskollegen, alltäglichen Begegnungen und Obdachlosen ist.

Ich für meinen Teil kann nur die Schultern zucken. Ich hatte keinerlei Bezug zu besagtem Menschen, er keinerlei Relevanz. Und selbst dann ist es unumgänglich, dass der Tod irgendwann zu einem dazutritt. Das wäre – je nach Ursache und Person – mehr oder minder, in Einzelfällen abartig schmerzhaft. Aber nichts, womit ich nicht fertig werden würde. Der Tod gehört dazu.

Und so kann ich nur sagen: Der nächste Robert Enke nimmt sich bitte einen Strick. Der macht erstens nicht so viel Dreck, erspart Lokführer und Rettungskräften mögliche Traumatisierungen und mir und anderen Menschen am Folgetag Reisezeitverlängerungen aufgrund Nachahmungstätern dank Werther-Effekt. Die würden dann nämlich auch zu Hause baumeln.

Robby, weiter geht’s

  1. *Zug* *Zug* []
  2. Vom perversen Mitleid mal ganz zu schweigen. []

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3 Responses to “Der Tod gehört dazu”

  1. on 12 Nov 2009 at 17:27 Schaf

    Ich kann deine Meinung gut nachvollziehen. Und ein “Aber…” ändert weder etwas an deiner Meinung noch daran, dass du in gewisserweise sicher Recht hast. Natürlich gibt es xx Selbstmorde dieser oder anderer Art pro Tag. Aber andere sind wohl nicht so im Mittelpunkt der Öffentlichkeit. Wenn ich mal für Hannover sprechen kann – auch wenn du das als Nicht-Fussballfan nicht nachvollziehen kannst, bin ja auch kein Fan – es ist ein großer Verlust. Gestern meinte einer: Hannover 96 wird nie das sein, was es mal war. Für die Fans war er ein ganz besonderer, wichtiger Mensch. Und es ist doch in gewisser Weise schön, dass er diese Welt doch ein wenig als Held verlässt als dass man sagt: “Ja… hat Deutschland nun nicht so den Verlust erlitten.” Es ist wahrscheinlich in erster Linie der Sport. Und für viele, die ihn ins Herz geschlossen haben, sicher auch der Mensch. Der die (Fussball-)Welt so trauern lässt.

  2. on 12 Nov 2009 at 17:39 Robby

    “Ja… hat Deutschland nun nicht so den Verlust erlitten.”

    Du meinst, wie bei den 29 anderen?! *fg*
    Er mag ja ein toller Mensch gewesen sein, das, was über ihn geschrieben steht, klang auch sehr reif und erwachsen. Nur finde ich es pervers, inwieweit er jetzt ausgeschlachtet wird. Dass Menschen, die sich aus welchen Gründen auch immer mit ihm identifizieren, um ihn trauern, okay. Aber dass die Medien da wieder alles rausziehen… abartig. Und der “Heldstatus” bringt ihm jetzt vermutlich auch nichts mehr. Game over.

    Die Welt wird nie mehr die sein, die sie mal war. Von jeder Sekunde zur nächsten.

  3. on 12 Nov 2009 at 19:19 Schaf

    Hannover 96 ist nicht gleich die Welt… kann mir schon vorstellen, dass es für den Verein nicht leicht ist… das mit den Medien: Klar! Die machen immer zu viel. Das nervt definitiv!


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