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Wasser

Es war dunkel als er nach draußen trat. Der nasse Asphalt spiegelte die glimmenden Laternen der Nacht. Ein Hauch von Leben lag in der Luft, die lebendige Frische des Regens. Er nahm einen tiefen Atemzug, zog seine Jacke am Saum nach unten gerade und lief, seinen Schirm öffnend, los.

Menschen strömten ihm entgegen. Einige gehetzt durchnässt, andere ihre Kapuzen tief ins Gesicht gezogen, manche hatten ihre Schirme über sich aufgespannt, wie er. Sie kümmerten ihn wenig. An der zweiten Kreuzung bog er links ab. Wie in einer anderen Welt schritt er seines Weges. Durch Pfützen rasende Autos, angepisste Gut-Wetter-Menschen, sich wärmend-umschlingende Pärchen, Schatten, die auch zu jedem anderen Zeitpunkt an ihm vorbeieilen würden – all das existierte für ihn nicht. Er bewegte sich durch Schemengeworfene des Lichts.

Beleuchtete Schaufenster strahlten ihre tägliche Kälte aus, heimelicher Kerzenschein lud ein in sichere Gaststätten und Restaurants. Gerade jetzt. Er ließ sich davon nicht beirren, nicht in ihren Sog ziehen, mitreißen. Nicht jetzt.

An der nächsten Ecke links. Die Schatten der Nacht kippten um ihn herum, aber das interessierte ihn nicht. Er war fast da. Hatte sein Ziel erreicht.

Er ließ seinen Regenschirm sinken. Regentropfen fielen mit ihm auf den Boden. Die Hand, die alles eben noch im Griff hielt, zog den Verschluss seiner Ummantelung nach unten. Er lief weiter, während seine Jacke hinter ihm von ihm glitt. Ohne inne zu halten zog er Pullover und Hemd gemeinsam über seinen Kopf und ließ neben sich fallen. Streifte im Gehen seine Schuhe ab, löste den haltenden Gürtel und öffnete die Knöpfe seiner Hose. Die Kleidungsstücke sollten seinen Weg nachvollziehbar machen.

Es war immer noch Nacht. Immer noch regnete es. Nur noch wenige Schritte. Nichts, was ihn aufhalten konnte. Mittlerweile fast nackt. Ein Fuß setzte sich vor den anderen, abwechselnd, unaufhaltsam, immer und immer wieder. Es gab keinen Moment des Zögerns, den es hätte geben können, es war unausweichlich. Ferne Lichter erstrahlten wie Sterne die Finsternis.

Es war soweit: Er sprang. Kopfüber.

Ins Wasser.

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