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Mustergefängnis

Wenn mir im Praktikum eines aufgezeigt wird, dann sind es Muster. Die eigenen als auch der Ausbau meines Gespürs für die der anderen. Und dieses explizit bewusst-bewusste Bewusstsein ist manchmal absolut beschissen. Wenn man weiß und sieht, wie man sich verhält, aber sich nicht dagegen wehren kann. Und hin und wieder wäre das persönlich ganz förderlich.

Ich war mal nett. Im Zuge meiner langjährigen Erfahrungen mit Frauen, die eigentlich bereits mein ganzes Leben andauern, habe ich die Notwendigkeit erachtet mir auch ein paar Arschloch-Facetten zuzulegen. Oder anders gesagt: Ich habe aufgehört den Frauen hinterher zu dackeln. Ich mache Angebote, spiele an, entweder es kommt etwas zurück oder es hat sich erledigt. Bei wichtigeren Vertretern natürlich mit einem größeren Investitionsbudget.

Und da kommen wir zu meinem “Problem”: Ich bin immer noch zu nett. Nicht nur was Frauen anbetrifft. Aber Klein-Robby hat gelernt, Bedürfnisse von anderen sensibel zu erspüren und zu bedienen. Wer dabei unter den Tisch fällt, ist möglicherweise Klein-Robby selbst. Das führt sogar soweit, dass mein Chef meint explizit den Fokus auf meine beruflichen Bedürfnisse lenken zu müssen, damit ich mich auch ja nicht wieder von jemand anderem unterbuttern lassen. Der hat mir diese “Fähigkeit” in der Form auch aufgezeigt.

Ich finde die “Befriedigung” bzw. das “Glücklich machen” anderer zweifelsohne als erfüllend, dazu finden sich auch einige Blogeinträge. Wenn ich aber zurückblicke, fallen mir im selben Atemzug die Kehrseiten auf. Wo ich zum Wohle anderer meine eigenen Bedürfnisse zurückgesteckt habe.1 Und das ist heute oftmals – nicht immer – nicht anders.

Anstatt dem anderen einfach mal angepisst gegen das Bein zu treten oder die Tür ins Gesicht zu knallen, weil man sich vernachlässigt, missverstanden oder übergangen fühlt, tritt die weise Diplomatie auf die Bühne. Denn man erkennt ja, wieso die Situation so ist, wie sie ist. Was der andere will und braucht. Und dass eine Gefühlsexplosion nur zur Eskalation führen würde. Zumal man sich damit auch selbst schaden würde, will man ja, das es dem anderen gut geht. Knallt man dem Gegenüber jetzt eine rein, um den Scheinwerfer auch auf eigene Bedürfnisse zu richten, die auch noch irgendwo existieren, spiegelt man sich den Schlag in die eigene Fresse. Also reagiert man lieber verständnisvoll und zügelt die eigenen Bedürfnisse2 in der Hoffnung, dass diese ja vielleicht auch irgendwann mal befriedigt werden. Für diese Zwecke hat Klein-Robby ja auch eine enorm hohe Frustrationstoleranz ausgebildet.

Bitte nicht falsch verstehen: Das Muster ist nicht per se schlecht, im Gegenteil, es bietet eine Vielzahl an Vorteilen. Und solange die Gegenseite die eigenen Bedürfnisse befriedigt, besteht da auch kein Problem. Tut sie es nicht, besteht die Tendenz, dass ich mich damit zufrieden gebe. Klar, wer fordert und verlangt, den will man ja auch nicht haben.3 Also ja kleinlaut den mächtigen Gegenüber tätscheln, damit man nicht verstoßen wird, das Wohlwollen gewahrt bleibt und man später (vielleicht) das erhält, was man braucht.

Was für ein abgefuckter Scheiß. Hätte ich statt man mit ich-Formulierungen gearbeitet, hätte ich mich wohl selbst verkrüppelt.

Um den Bogen zu schließen, zitiere ich mich selbst aus einer Unterhaltung die sich – retrospektiv – genau mit dieser Frage beschäftigte:

Angenommen A wöllte B küssen, B möchte das aber von sich aus entscheiden und nicht von A überwältigt werden. Sprich B sagt zu A: “Versuch nicht mich zu küssen, ich fühle mich gezwungen. Und das will ich nicht.”. Dann ist ja eigentlich alles in Ordnung, nicht? Der unberücksichtigte Punkt ist aber: Angenommen, A wöllte B dennoch küssen, verschwände dieses Bedürfnis doch nicht einfach, ist es dann in Ordnung, dass A sich zwingen muss B nicht zu küssen? Und falls ja, warum ist dieser Zwang gerechtfertigter.
Oder anders gesagt: B sagt: “Dich zu küssen, wäre Zwang.” und A sagt: “Dich nicht zu küssen, wäre Zwang.” – was können A und B tun? Außer, dass einer sich zwingt.

Na da bin ich mal auf schlaue Kommentare und Antworten gespannt.4 Schon schockierend, dass sich irgendwie nichts ändert… beziehungsweise nur scheinbar.

Robby, ausbrechen und wachsen

  1. Was okay und akzeptabel, aber im Endeffekt nicht gut war. []
  2. Und weißt darauf hin, dass der andere sich auch ja nicht zur Erfüllung dieser zwingen soll – und das auch ernst gemeint ist. Während man selbst… []
  3. Oh man, ich glaube jetzt geht es schon langsam in Richtung Glaubenssätze. Das ist dann noch mal ein tiefer liegendes Feld und wohl noch mal eine Ecke spaßiger… *Metaperspektive* []
  4. Ich für meinen Teil habe übrigens schon damals denkbare Lösungsmöglichkeiten gefunden. Und sehe gerade, dass dieser Blogeintrag in dem Kontext entstanden ist :ugly: []

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3 Responses to “Mustergefängnis”

  1. [...] [...]

  2. [...] wir als Ausgangspunkt diesen Eintrag, “Mustergefängnis”. Dort steht geschrieben, dass ich zu jenen Menschen [...]

  3. [...] noch schwer genug. [↩]Mehr und mehr. [↩]Damit zusammenhängende Einträge sind “Kippschalter” und “Mustergefängnis” [...]


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