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Take your (s)word

Ich bin im Zuge meiner persönlichen Entwicklung in den letzten Wochen einen gehörigen Schritt weitergekommen. Nichtig im Vergleich zu der ewigen Länge meines Pfades und noch nicht so sicher und standfest aufgetreten, wie ich es mir wünschen würde. Aber wenn man1 bedenkt, dass ich mehr und mehr eigene ge- bis verfestigte Muster erkenne, die nicht nur ihre guten Seiten haben, und zumindest im Ansatz gegen sie vorzugehen versuche, dann ist das eigentlich schon eine Reife Leistung. Nur eben mir nicht genug.2

Sieht man über meine Ungeduld, Unzufriedenheit und Selbstkritik einfach mal hinweg und lässt sie am Rande stehen, lässt sich der Fortschritt dennoch hervorheben: Offene Kommunikation.

Viele erachten das, was ich hier schreibe als offen, einige sogar schon als zu viel des Guten. In manchen Fällen mag das absolut zutreffen, was vor allem bei (öffentlichen) Lesen eigener Texte deutlich wird. Es gibt einen enormen Unterschied zwischen dem, etwas in das Internet hinauszuwerfen und selbiges persönlich greifbar anderen ins Gesicht zu sagen. Dazu braucht es keine zu rezitierenden Blogeinträge, sondern nur die dahinterliegenden Inhalte in einem persönlichen Gespräch. Es ist zweierlei etwas für sich aufzuschreiben – zwar öffentlich sichtbar, zum Teil wahrgenommen, aber meist unkommentiert – und den selben Sachverhalt in einer Beziehung darzulegen. Zumindest, was das Themenspektrum des Miteinanders anbetrifft, seien es meine Ansichten per se oder meine Überlegungen zu One-Night-Stands, Fremdgehen oder dergleichen. Je nach Unterhaltungspartner – genauer Partnerin – kann das in kritische Bereiche führen. Je nachdem, wie gefestigt, flexibel, offen, neugierung und kompetent3 der Gegenüber ist.

Doch all das ist nichts im Vergleich zu dem was tief in mir schlummert. Ängste, Sorgen, Wünsche, Bedürfnisse. Natürlich finden diese mitunter auch ihren Weg hier her, aber der Kern betrifft immer noch Face-to-Face-Interaktionen und findet in dieser konkreten Form hier so gut wie nie Anklang. Abstraktionen, Generalisierungen, Überlegungen, Schlussfolgerungen vielleicht, aber nie konkrete Situationen mit ihrer Gefühlswelt.

Um den Bogen zu schlagen: Das trifft auch auf die Realität zu. Ich erscheine offen und transparent – und in vielerlei Hinsicht mag ich das auch sein -, aber an mich und meinen Kern kommt quasi niemand ran. Zumindest nicht mit meiner Hilfe. Es gibt (wenige) Menschen, die kennen sich und erkennen entsprechend mich. Manche in einem solchen Ausmaß, das es nahezu erschreckend und beängstigend ist. Mit diesen muss ich eigentlich nicht reden, die verstehen mich auch so. Und wissen das im Idealfall zu berücksichtigen. Doch selbst bei denen gibt es – wie auch bei mir und meinen Vermutungen – Fehlerquoten. Missverständnisse.

In der Hinsicht bin ich kein Freund großer Worte, versuche auch nicht einer zu werden, aber zumindest mich den Menschen zu entblättern, die mir nahe stehen. Nicht irgendein Bühnenspiel zu vollführen, dass der andere am besten noch mitspielt, weil es genau zu ihm passt, sondern die Maske beiseite zu legen und zu sagen “Schau her: Ich bin so und so. Dieses oder jenes gefällt mir aus diesen oder jenen Gründen nicht. Ich fühle mich dadurch verletzt, unverstanden, angegriffen, vernachlässigt, traurig, nicht berücksichtigt, nicht gewertschätzt. Dir das mitzuteilen schürt in mir die Angst, dass du mich noch mehr verletzt und mich noch weniger verstehst.4 Und darauf habe ich keinen Bock. Deswegen schweige ich und ertrage den Schmerz, um nicht noch größerem Leiden ausgesetzt zu sein. Denn das Zufügen dieser erachte ich als wahrscheinlicher, als dass du mich heilen5 würdest. Deswegen ist es mir lieber, wenn6 du meine Ängste, Wünsche, Bedürfnisse, Sorgen unausgesprochen erkennst und dich ihrer (meiner) annimmst.”

*wow* – was für ein Hammer. Der beides vermischt, nämlich das, was ich neuerdings sage und das, was dahinter liegt. Also quasi das Komplettpaket, das hier aufgedeckt wird: “Weil ich so empfindlich und verletzlich bin, lebe ich lieber versteckt mit den Wunden die da sind, statt sie zu zeigen, weil dann jemand eher reinsticht als sie zu vernähen. Und selbst beim Vernähen wird gestochen – und da auch mal ganz schnell daneben.”. Oder noch kompakter: “Ich möchte nicht (mehr) verletzt werden. Deswegen lasse ich niemanden an mich ran.”.7

Doch Missverständnisse und Verletzungen gehören dazu. Und um mit diesen adaptiv umgehen zu können, bedarf es Offenheit und zumindest der Hoffnung, dass der Gegenüber sie für und nicht gegen einen einsetzt. Beiderseits. Und aus diesem Grund versuche ich, wenn ich es für notwendig erachte, offen auf den anderen zuzugehen. Zu sagen, was weiter oben geschrieben steht. Das fühlt sich alles andere als angenehm und gut an, das Herz pocht ununterbrochen und die Angst vor der finalen seelischen Hinrichtung durchzieht den ganzen Körper. Doch nur so ist es möglich dem anderen die Sicherheit zu geben, damit er es verstehen und sich ggf. ebenso öffnen kann.8 Phasenweise reißt das alte Wunden möglicherweise klaffend aus. Langfristig ist es die einzig vernünftige Lösung. In die eine oder andere Richtung.

Auf der Suche nach dem anderen Papier9 stellte ich eben mit Erschrecken fest, dass ich das Thema schon mehrfach in den vergangenen Wochen abgehandelt habe, siehe hier, hier und hier. Ich denke, das offenbart die derzeitige persönliche Relevanz und Wichtigkeit des Themas in meinem Leben.

Wie dem auch sei: Es macht mir keinen Spaß, aber ich nehme es in Kauf. Oder versuche es zumindest. Spätestens, wenn man nachfragt oder (besser) Hypothesen aufstellt und äußert. Wer mich wortlos versteht, weiß jedoch extra zu punkten. Aber das kann ich bei mir wohl kaum erwarten.

Robby, word and shield

  1. Allen voran ich. []
  2. Was wiederum auch eine Mustergeschichte ist. Ebenso wie die Tatsache, dass ich trotzdessen keine Unmengen Energie dort hinein verballere. Einfach, weil es immer nicht genug wäre. Tief innerlich. Zumindest erachte ich das für sehr wahrscheinlich. []
  3. Stichwort: Metakommunikation []
  4. Korrekterweise müsste es wohl heißen: “dass ich mich durch dich noch mehr verletzt und noch weniger verstanden fühle”. Wobei das ehrlich gesagt nichts an dem abartigen Gefühlszustand ändert. []
  5. Genauer gesagt: Mich bei meiner eigenen/unseren Heilung zu unterstützen. []
  6. “Verlange ich, dass…” []
  7. Zumal gleichzeitig immer die Gefahr besteht, selbst andere zu verletzen. Und das ist nicht in meinem Interesse, würde es mich doch ebenso verletzen. Das verwundete Tier ist das Gefährlichste. []
  8. Warum ich damit meistens anfange, steht auf einem anderen Papier… []
  9. Fußnote zuvor. []

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2 Responses to “Take your (s)word”

  1. on 12 Apr 2011 at 20:47 Eipa

    Holy fucking crap! Deine neuen Texte sind viel besser als dieser hier.
    Ich sollte auch zu bloggen beginnen…

  2. on 12 Apr 2011 at 20:57 Robby

    Hmm, wie habe ich das zu verstehen? Abgesehen davon: Wäre schlimm, wenn es nicht so wäre.


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