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Losgelöst

Ich bin 22, befinde mich in den finalen Atemzügen meines Studiums und eigentlich sollte ich mich mal neben mich stellen und den WTF?!-Gesichtsaufdruck aufsetzen. Wenn alles glatt geht, habe ich in diesem Sommer bis Herbst mit 23 mein Diplom in der Hand. In einem Alter, in dem manche vielleicht gerade mit studieren anfangen, sofern sie überhaupt eine vage Ahnung haben, was sie einmal machen möchten.

Und ich stehe da und habe Angst meinen Platz in der Welt nicht zu finden. Zu schlecht, zu schwach, zu ungenügend zu sein. Müde zu sein, aber nicht schlafen gehen zu wollen. Man könnte ja etwas wichtiges verpassen in der Welt, die sich Tag für Tag schneller zu drehen scheint. Höher, schneller, weiter. Der innere Anspruch schon jetzt “perfekt” zu sein. Die Ungeduld schon jetzt das Fähigkeitsniveau lebenserfahrener Menschen zu erreichen. Mein Chef ist doppelt so alt wie ich, hat dementsprechend ein vielfaches an fachlicher, beruflicher und Lebenserfahrung und ich will mit ihm gleichziehen *lach* Und das, wo ich seit nicht mal fünf Jahren am Leben bin.

Und das ist absolut krank. Ich bin beileibe nicht Geilste, Tollste, Beste, Schönste, aber – das behaupte ich jetzt einfach mal – weiter als die meisten Menschen meines Alters.1 Doch statt mich damit in Sicherheit zu wiegen, schaue ich nach oben und vorne und fange an zu zittern. Scheinbar jeder Trottel findet irgendeinen Job und “jemanden zum Knistern”. Und ich stehe da, voller (Selbst-)Zweifel. Nicht immer, aber hin und wieder.

Mag sein, dass es daran liegt, dass ich keinen Job will, sondern eine Berufung, so übertrieben das auch klingen mag. Und dass ich niemanden zum Knistern suche, sondern jemanden, mit dem mich mehr als nur körperliche Nähe verbindet. Und dass ich zu viel über die Zukunft nachdenke. Nicht immer und überall, aber mehr als genug. Welche Entscheidungen höchstwahrscheinlich welche Konsequenzen nach sich ziehen, ob ich diese möchte oder in Kauf nehmen kann und falls nein, wie ich das, was ich will, erreiche. Was für Nachteile dadurch entstehen (können), welche kurz- und langfristigen Folgen. Und was ich eigentlich will.2

Mit Anfang 20, während anderen scheinbar alles egal ist, sie sich exzessiv ausleben, betrinken, rumficken, betrügen, verletzen, verletzt werden, verzweifeln und nicht dazu lernen, versuche ich mein Leben in halbwegs geordnete Bahnen zu lenken. Nicht, dass mir dabei nicht die Erfahrungen der anderen in einem gewissen Ausmaß begegnen würden. Nur gemäßigter, reflektierter, deutlicher.

Man könnte sagen “Junge, fang doch endlich mal an zu leben.”. Ich würde antworten “Mache ich. Sobald ich weiß, was leben für mich bedeutet.”.

Robby, outstanding

  1. Aber wen interessieren schon die Meisten?! []
  2. Dass ich insgesamt zu wenig tue… []

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2 Responses to “Losgelöst”

  1. on 11 Jan 2010 at 15:27 Schaf

    “Und das, wo ich seit nicht mal fünf Jahren am Leben bin.”

    Das stach’ mir grad sehr ins Auge. Irgendwie traurig, aber wenn ich so überlege, kann ich auch erst seit kurzem vom wirklichen ‘Leben’ sprechen.
    Und unabhängig vom Alter: Wenn man kurz vor’m Abschluss seines Studiums/Ausbildung steht, dann ist es wohl normal, dass man sich etwas orientierungslos/unentschlossen/??? fühlt. Aber – wie du es wohl auch schon bei mir gesagt hast – du wirst deinen Weg schon gehen. Zumindest denke ich, dass du 2005 die richtige Richtung mit deinem Studium eingeschlagen hast und eben keine Zeit vergeudet (mal von deiner Kritik an manch’ Studieninhalten/Lernmethoden/was auch immer abgesehen). Das heißt, du bist schon in eine richtige Richtung gegangen, nun ist halt nur die Frage, wohin der Weg weiterführt… Könntest du dir denn sowas, was du nun im Praktikum mitbekommst vorstellen? Oder ist es noch nicht das, was du suchst? Fühlst du dich bereit dich in die Arbeit zu stürzen oder würdest du lieber noch etwas auf Psychologie aufbauendes studieren?

  2. on 11 Jan 2010 at 15:33 Robby

    Weiter studieren? Nein danke :D Schlimm genug, dass ich noch’ne Diplomarbeit schreiben muss.

    Was meine Arbeitsvorstellungen angeht:
    - me in supportiver Funktion (sprich keine direkte Führungsfunktion – also nicht der Kopf, aber gerne die rechte Hand ;) )
    - im Idealfall 5-Mann-Team (kompetent, versteht sich :D )
    - Einbindung in größeres Unternehmen, so dass man menschentechnisch genug Kontakt, Abwechslung und Variation hat

    Personalauswahl, -entwicklung und/oder eben irgendwelche Projekte, bei denen man nachdenken und kreativ sein muss. Das wär’s. Dazu noch bissl Weiterbildung und ich wäre wohl vollkommen ausgelastet :D Der Traum beschreibt es ziemlich gut.

    edit: Ach man, durch WordPress-Update wieder alle Smilies kaputt… -.-


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