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Eigentlich lag ich gerade schon auf dem Bett, aber den Gedankenimpuls fand ich einfach zu gut, als dass ich ihn hätte ziehen lassen können. Geht man davon aus, dass sich nur bewährte Muster repoduzieren (natürliche Selektion), stellte sich mir die Frage, wie es überhaupt zu Abweichungen von der Idealbalance zwischen Autonomie und Sicherheit kommen konnte, vermute ich, dass in irgendeinem (paradiesisch-utopischen) Urzustand die Menschen und die Welt “heile” waren. Wenn vielleicht auch nur für einen kurzen Augenblick.

Eine Erklärung findet sich in erster Instanz schon in Wechselwirkung mit der Umwelt. Angenommen ein Säbelzahntiger fraß eines der eigenen Nachkommen, so ist anzunehmen, dass der Schwerpunkt verstärkt bis vollständig auf Sicherheit gelegt wird. Das hat zur Folge, dass die Nachkommen im Großen und Ganzen selbigen oder die gänzlich gegensätzliche Orientierung entwickeln. Tut im Detail nichts zur Sache, das ist nur ein spontaner Oberflächen-Burst. Fakt ist, dass selbst dieses anormale oder vom Ideal abweichende Muster ausreichend war, um nicht aus dem Reproduktionszyklus ausgeschlossen zu werden.

Schauen wir jetzt auf die gesellschaftliche Entwicklung, wo immer mehr – ich sage mal gesellschaftlich nicht interessierte Individuen erschaffen werden, so ist das schlicht und einfach die Schuld der Gesellschaft, eine derartige Ausrichtung reproduktionsfähig zu erhalten oder sogar zu fördern. Kriegt jemand meinen Gedanken?

In dem Maße, wie ein System jene Elemente unterstützt, die sich aus dem gemeinsamen Futtertopf bedienen, aber nichts in ihn hinein tun, spaziert es fröhlich und munter in seinen eigenen Untergang. Wenn ein Organismus mehr Energie verbraucht, als er aufnimmt, geht er zugrunde. Wenn vom System mehr Individuen zehren, als es verkraften kann, geht es zugrunde.

Den systemerhaltenden Einheiten bleiben eigentlich nicht viele Möglichkeiten:

  1. Den eigenen Input erhöhen, bis das eigene (individuelle) System, der Organismus zusammen bricht.
  2. Die Nachkommen der Blutsauger aus der rekursiven Schleife befreien und ihnen die Möglichkeit zur Potentialentfaltung geben, um eine Aufwärtsspirale der Entwicklung (der eigenen Art) in Gang zu setzen.
  3. Den systemschädigenden Individuen die Reproduktion verwehren, ungünstige Bedingungen oder zumindest keine günstigen Bedingungen schaffen.
  4. Die systemschädigenden Individuen zu eliminieren, so wie man einen infizierten Arm abtrennt, um den restlichen Körper zu retten.
  5. Das System ver- und es sich selbst überlassen. Gleichzeitiger Aufbau eines neuen Systems, in dem es besser gemacht – oder zumindest versucht wird.
  6. Eliminierung des eigenen (individuellen) Systems.

An Punkt 1 sind wir wohl schon langsam angelangt, immer weniger Menschen müssen immer mehr für immer mehr nichts-leistende Menschen tun. Ich rede dabei nicht von arbeitlosen Menschen, sondern jenen Arbeitslosen, die nicht im Geringsten das Interesse daran haben irgendetwas für die Gesellschaft zu tun. Schmarotzertum und Kriminalität sind für eine Gesellschaft nicht förderlich – zumindest dann nicht, wenn es Überhand nimmt. Trittbrettfahrer gibt es immer, problematisch wird es jedoch, wenn sich keiner mehr zum Fahren findet.

Punkt 2 ist die große, naive und idealistische Hoffnung. Ich bin ja immer noch der Meinung, dass man erziehungsuntauglichen Eltern ihre Kinder wegnehmen sollte. Das ist aber kaum realisierbar, immerhin lieben die Eltern, die ihre Kinder schlagen, zuqualmen und deprivieren ihre Kinder ja so sehr. Ich sehe schon die Schlagzeile bei Bild: “Staat will liebevollen Hartz-IV-Empfängern die Kinder wegnehmen!”
Doch selbst, wenn die Bild nicht auf kurze Sensationsgeilheit und Drama aus wäre, sondern ihren Anteil zum Erhalt des Systems (und damit auch ihrer selbst) leisten würde, stünde wohl in kürzester Zeit der Pöbel mit Fackeln und Mistgabeln auf der Straße. Und das kann bei derzeitiger Reproduktionsrate schnell eine erdrückende Mehrheit werden.

Punkt 3 ist wohl ebenso realisierungsfremd, wenngleich es ja derartige Vorschläge gibt. Wenn ein System das Überleben von Individuen sichert, die Nichts zum Überleben des Systems beitragen und es nicht schafft deren Nachkommen dazu zu befähigen und zu bewilligen (Punkt 2), ist es selbst schuld und hat nichts anderes verdient als unterzugehen.

Punkt 4 ist wohl die fragwürdigste Möglichkeit, stellt sich zudem die Frage wer systemerhaltend ist und wer nicht, Kriterien an denen man dies fest macht. Selbst Kriminalität hat stabilisierende Funktion – in einem gewissen Ausmaß. Düster gezeichnet kommt es aber früher oder später zum Clash des primitiven Pöbels und der intellektuellen Elite, dazwischen die schmale breite Masse. Spätestens dann wäre wohl die Notwendigkeit eines derartigen Schrittes gegeben, kann vorher keine einvernehmlichere Lösung gefunden werden. Ansonsten plättet der Pöbel die Produzierenden. Der Virus tötet seinen Wirt und damit sich selbst. Aber Viren können ja nicht denken. Sollte damit nicht der Untergang der Menschheit besiegelt sein, katapultiert sie sich damit auf jeden Fall ein paar hundert Jahre in die Vergangenheit. Ein Bauer1 mit Skalpell? Herzlichen Glückwunsch. Immerhin hätte das zur Folge, dass sich das System neu organisieren und sich die überlebenden Elemente neu orientieren müssten. Spätestens dann hat dann der Pöbel die Notwendigkeit sich weiterzuentwickeln, gibt es plötzlich keinen Staat, keine gefüllten Supermärkte etc. mehr.

Punkt 5… man sucht sich Gleichgesinnte, flüchtet, baut Mauern, schafft sich abgetrennte Ökosysteme und lässt alles außenrum verrotten und untergehen. Oder kümmert sich zumindest nicht mehr um den Erhalt dessen. Die Folgen sind eigentlich die von Punkt 4 (Untergang oder Entwicklung), mit dem Unterschied, dass es keinen Clash gab. Gegebenfalls wäre diese Trennung aber auch nur die Vorstufe, sollten die Mauern nicht stark genug sein. Ungeachtet der Kriterienfrage und altruistischer Tendenzen, die natürlich den Erhalt allen Lebens favorisieren und wünschen.

Punkt 6 – langweilig.

Im Großen und Ganzen ist der Eintrag nichts Neues. Alte Gedanken im neuen Gewand, ein Hauch differenzierter und pseudo-wissentlich untermauert. Die Kernaussage findet sich beispielsweise schon im Januar als auch Oktober 2008 wieder. Womöglich sogar noch irgendwo anders, drehe ich mich zum Einen thematisch und inhaltlich, wenn auch in unterschiedlicher Geschwindigkeit, immer im Kreis, als ist die Ansammlung von Blogeinträgen überhaupt nicht durchschaubar und fast vollkommen unsystematisch. Es ist (mir) kaum möglich irgendwelche Verbindungen zu ziehen oder Sachen aufeinander aufzubauen, weil alle Teile viel zu verstreut irgendwo rumliegen. Damn it.

Robby, old story

  1. Hey, ich arbeite mit Klischees und Stereotypen! Ein dummer Bauer, Trottel und so, ne?! []

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4 Responses to “Wie die Gesellschaft sich selbst richtet”

  1. on 20 Mrz 2010 at 17:55 cuentacuentos

    Im Titel sagst Du es ja schon: Die Gesellschaft richtet sich selbst, und dass die Strafe zur Bewährung ausgesetzt wird, halte ich zunehmend für eine Illusion.

    Wir haben “Probleme” – apostrophiert, weil es eigentlich keine sind, bzw. wenn, dann im Sinne von Aufgabenstellungen – von den Familien an die Allgemeinheit (Gesellschaft) delegiert. Kindererziehung, Altenpflege, Fürsorge für Menschen, die ihren Lebensunterhalt nicht oder nur teilweise bestreiten können… Das könnte theoretisch wunderbar funktionieren, wenn diese Gesellschaft in allen ihren Individuen ein hohes Maß an gesellschaftlichem Verantwortungsgefühl entwickelt hätte. In großen Teilen der Gesellschaft ist das, wie wir wissen, nicht der Fall. Ärgerlicherweise sind dies die Teile der Gesellschaft, die stärker anwachsen als andere. Die Lösung wäre konsequenterweise, die Aufgaben wieder dorthin zu verweisen, wohin sie in einer Gesellschaft, die noch kein ausreichendes Gesellschaftsbewusstsein entwickelt hat, gehören. Wer in der Anonymität der Gesellschaft nicht lernfähig ist, lernt vielleicht, wenn er allein verantwortlich ist für sein Wohlergehen und das seiner natürlichen Angehörigen.

    Das ist soziale Kälte? Ja. Es wäre der Sprung ins kalte Wasser, um nicht mit dem Schiff Sozaialstaat unterzugehen.

    LG aus Berlin
    cuenta…….

  2. on 23 Mrz 2010 at 12:53 Robby

    Hallo cuenta,

    ich bin ganz deiner Meinung: Verantwortung, wo Verantwortung hin gehört. Dass dabei eine ganze Menge untergehen würden, steht außer Frage, ist aber wohl oder üble Notwendigkeit, wenn es anderweitig aufgrund lobbyistischer und egoistischer Interessen nicht möglich ist.

    Das Problem in meinen Augen ist, dass die an der Gesellschaft Interessierten zu weit auseinander stehen. Da gibt es bereits jene, die flüchten, welche, die sich ihre Nische suchen und dort ausharren und auch solche, die den scheinbar aussichtslosen Kampf fechten. Mit einem derartigen Auseinanderlaufen der Kräfte kann das nichts werden. Gleichzeitig würde eine Bündelung keinen Erfolg versprechen, so dass sich die (individuelle) Frage stellt, welches Vorgehen denn das “beste” beziehungsweise funktionalste ist.

  3. on 25 Mrz 2010 at 06:58 cuentacuentos

    Wenn es einem gelingt, sich klar zu positionieren, das ist ja schon mal was. Das Bündeln von Kräften dagegen ist nicht ungefährlich. Dass zwei oder drei Parteien sich verbinden gegen eine dritte oder vierte, die keinesfalls Einfluss gewinnen darf, dass man Koalitionsverhandlungen führt und Grundsatzdebatten und, und, und… ist politischer Alltag. Aber der politische Alltag hat in Deutschland auch schon anders ausgesehen – wirklich finster. Die Kräfte, von denen Du sprichst, erwachsen ja immer aus einem Bedürfnis oder Interesse heraus. Nehmen wir mal Geld. Die Einen wollen weniger Geldsorgen haben, die Anderen noch reicher werden. Das Interesse zielt in dieselbe richtung. Schon Marx hat festgestellt, dass derjenige, der so wenig wie möglich bezahlen möchte, moralisch nicht besser ist als derjeniege, der soviel wie möglich verdienen will. Trotzdem stehen diese scheinbar gemeinsamen Interessen gegeneiander. Um sie zu bündeln, muss ein gemeinsames “Feindbild” geschaffen werden. Wer soll das sein? Die Arbeitslosen, die Migranten, die Radfahrer, die Raucher….? Der eine Hut unter den man sie bringen könnte, erweist sich manchmal als eine recht fragwürdige Kopfbedeckung.

    Gefragt wäre ein neues Bewusstsein. Okay, neu ist es nicht. Es ist im Grunde so alt wie die Menschheit. Seit der Mensch nicht mehr als Einzelwesen durchs soganannte Paradies streifte und zur Erhöhung seiner Überlebenschancen so etwas wie Gesellschaften bildete, basierten diese auf Abhängigkeiten. Der König brauchte den Bauern und umgekehrt. Und jeder war sich des Umstands bewusst, dass er sich nutzbringend in die Gesellschaft einbringen musste, um auf deren Schutz Anspruch zu haben. Auch Familien funktionierten nach diesem Muster. Abhängigkeit aber ist ein Wort, das heute niemand mehr hören möchte. Freiheit klingt viel besser. Leider haben viele nicht verstanden, dass es a) absolute Freiheit nie gegeben hat und nie geben wird, und das b) Freiheit immer dort ihre Grenze findet, wo sie die Freiheit eines anderen berührt, und dass c) diese Grenzen überraschend eng sind.

    Eine nachhaltige Gesellschaftsreform ist nur auf dem Bildungsweg möglich und muss sich in jedem einzelnen Kopf vollziehen. Wenn heute auf die dringende Notwendigkeit hingewiesen wird, die Bildung zu verbessern, könnte das im Prinzip richtiger nicht sein. Nur geht es wieder um die falschen bzw. um sekundäre Bildungsziele, um kurzfristig bessere Chancen in einer Gesellschaft die schlecht funktioniert.

  4. on 25 Mrz 2010 at 19:12 cuentacuentos

    Hallo Robby,

    ergänzend zum letzten Kommentar schicke ich Dir noch den Link zur Leseprobe eines Textes von Michel Tournier im aktuellen “Sinn und Form”-Heft. Köstlich.

    http://www.sinn-und-form.de/?tabelle=leseprobe&titel_id=4170


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