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unglücklich-stabil

Wäre ich DJ im Radio, wäre dieser Eintrag der erfüllte Musikwunsch eines Hörers. Es geht – Überraschung – um Beziehungen, unglücklich-stabile um genau zu sein. Der geneigte Leser mag sich fragen “Wer hat/macht denn sowas?”, aber kennen wir alle wohl mindestens irgendjemanden, der irgendwann mal irgendeine Partnerschaft aufrecht erhalten hat, obwohl sie ihm nichts mehr “bringt”. Für manche mag das Wort bringen in dem Kontext ein wenig böse und unpassend klingen, “Immerhin geht es dabei ja auch um Liebe!”, aber haben Liebe und Beziehung a) nicht (unbedingt) etwas miteinander zu tun und läuft darüber hinaus b) jeder mit Kosten-Nutzen-Kalkulationen durch die Welt. Viele wissen es nur nicht und/oder haben beschissene dysfunktionale Formeln.

Da nur das Genre des Musiktitels genannt wurde, spiele ich einfach mal eine Palette an Titeln. Ich könnte im Spezifischen noch mal Einzelheiten nachlesen und wissenschaftlich untermauern, aber das spare ich mir der Einfachheit und des gegenwärtigen Kontexts einfach mal.1

Wie schafft man es eine stabil-unzufriedene Beziehung zu führen?
Eine interessante Frage, kann doch die Welt zu Beginn einer Beziehung meist schöner nicht sein. Ein Einflussfaktor ist wohl die Art und Weise der Partnerwahl: Hals über Kopf in eine Beziehung gestürzt, lassen sich viele Inkompatibilitäten nicht erkennen. Wenn man den Gegenüber und damit im Idealfall auch die Chance hatte seine “Eigenheiten” zu diagnostizieren, lässt sich eher eine zuverlässigere Aussage über den Beziehungserfolg treffen. Selbst dann gibt es noch viele gute Gründe, warum dieser nicht erreicht und/oder gehalten wird, aber für den Anfang macht eine Erfolgsprognose von 80 bis 85% mehr her als ein Lotteriespiel.

Wie kommt man also an eine derartig geartete Beziehung? Die einfachste Antwort wäre wohl zu sagen “Mein Partner ist…”. In dem Fall: Herzlichen Glückwunsch. Zu einer Beziehung und ihren (Nicht-)Erfolgen gehören immer (mindestens) zwei. Die wichtigsten Faktoren aus meiner Sicht, die aus einer Beziehung eine unzufriedene werden lassen:

  1. Nichtpassung des Partners.
    Die Dimensionen kann sich jeder selbst aussuchen. Wenn gewisse wichtige Kriterien nicht erfüllt werden2 und eine mittel- bis langfristige Kompatibilität nicht hergestellt werden kann: Vergiss es. Und sich selbst zu ändern ist verdammt schwer. Für beide. Meistens ist es einfacher sich einfach jemanden zu suchen, der besser passt. Dass der Grad der Passung irgendwo seine Grenzen findet, davon gehe ich aus. Nur bin ich selbst kein Freund von Kompromissen. Oder sagen wir: Je weniger, desto besser.
  2. Mangelndes Verständnis.
    Vielleicht ist das sogar der wichtigste Punkt. Geht einher mit Passung. Bei aller zu erreichenden Professionalität und Neutralität hat jeder Mensch Vorlieben, Abneigungen, Ein- und Wertvorstellungen. Im Idealfall sind diese ziemlich weitreichend, aber an seine bessere Hälfte stellt man die selben Ansprüche wie an sich selbst. Ich zumindest tue das. Abweichungen sind in gewissem Maße tolerierbar und gibt es Faktoren, deren Nichterfüllung eher zu verkraften ist als die anderer. Die Kunst ist es – in meinen Augen – für die von den eigenen Vorstellungen abweichenden Facetten des Gegenübers Verständnis zu haben beziehungsweise zu entwickeln. Auch, wenn es dafür Grenzen gibt. Siehe Kompromisse. Nur sollte man nicht bei jeder Kleinigkeit, die einem nicht passt, überreagieren. Und falls doch, hat der Gegenüber hoffentlich Verständnis dafür. An- und miteinander wachsen/sich weiterentwickeln.
  3. Keine/ungünstige Kommunikation.
    Sich selbst zu offenbaren, ist nicht unbedingt die schönste Sache, aber totschweigen hilft auf lange Sicht wohl nichts. Genauso wenig wie Orgasmen faken. Sei es, weil die Frau denkt er bräuchte das oder weil er es tatsächlich braucht.3 Empathie, Perspektivübernahme, Metakommunikation, grammatikalisch korrekte Sätze, zuhören, verstehen und nachfragen sind dafür ganz hilfreich. Verständnis und Ambiguitätstoleranz auch.
  4. Unbefriedigender Sex.
    Ehrlich gesagt habe ich nie gedacht, dass ich das mal sage, aber wenn der Sex nicht passt (und nicht passend gemacht wird), passt die ganze Beziehung nicht. Wer jetzt sagt “Aber es ist doch nur Sex?!”, hatte bisher entweder nur mit einer Person welchen oder bei der weiteren Selektion nicht dazu gelernt. Sex ist Kommunikation. Wie sehr gehen beide aufeinander zu, wer befriedigt wen – besteht überhaupt ein Interesse an der Befriedigung des Gegenübers? Nur Blümchensex, nur Hardcore-Ficks, Abwechslung, Variation, Offenheit für Neues, offener Austausch und Erweiterung des Horizonts? Auch hier bieten sich Empathie, Metakommunikation, Verständnis und nicht zuletzt ausgiebigies kommunizieren an.
    Ich würde sogar so weit gehen und sagen: Wer ein dauerhaft/konstant schlechtes Liebesleben in all seinen Facetten hat, ist “nicht füreinander” gemacht. Nicht, dass Sex (/Erotik) alles wäre, aber ein eklatant wichtiger Bestandteil.
  5. Nichtpassung der Umgebung.
    Wenn die Passung des Partners Anlage ist, ist dieser Punkt Umwelt. Es steht und fällt ja nicht immer nur an den individuellen Voraussetzungen/Personen. Sei es die Schwiegermutter, Fernbeziehung, Ex-Partner, andere attraktive Personen, Arbeitslosigkeit, fehlender Freundeskreis, was auch immer. Die nicht-kompatible Wahl der Möbel rechne ich übrigens nicht hierzu, sondern unter erstens. Und ja, mir ist so etwas durchaus wichtig.

Mit Sicherheit gibt es noch weitere Einflussfaktoren, die mehr oder minder stark zu einer unzufriedenen Beziehung führen. Zudem ist zu berücksichtigen, dass einzelne Facetten andere Komponenten aushebeln können. Je mehr Verständnis jemand hat, umso unpassender kann der Partner sein. Mit besserer Kommunikation lässt sich (im Normalfall) mehr Verständnis erreichen. Die Nicht-Passung der Umgebung kann die passensten Partner belasten und unzufrieden stimmen.4

Wieso trennt man sich nicht einfach?
Das ist so eine Sache. Die einfachste Antwort ist wohl “Der Leidensdruck ist nicht groß genug.”. Eine unbefriedigende Beziehung zu führen ist besser als gar keine. Was also sind gute Gründe die Unzufriedenheit in stabiler Form aufrecht zu erhalten?

  1. Ich bin nicht allein.
    Viele Menschen können nicht mit sich allein sein. Punkt. Wenn man mit sich allein ist, besteht nämlich die Gefahr mit sich selbst auseinanderzusetzen. Und das führt dazu, dass man möglicherweise Dinge sieht, die einem nicht gefallen, die man nicht sehen will. Mit dieser Dissonanz umzugehen, ist eine große Herausforderung. Mit einem Partner an der Seite, braucht man den Fokus nicht auf sich zu richten. Wenn der dazu noch Schuld daran ist, dass man sich die ganze Zeit nur über ihn aufregen muss, umso besser.
  2. Ich bekomme ja sonst niemanden.
    Alleinsein wäre das Schlimmste. Und da ich keine Taube bekommen würde, behalte ich lieber den Spatz. Geht Hand in Hand mit dem vorherigen Punkt und der Tatsache, dass Beziehungen oftmals ja erst dann beendet werden, wenn der nächste Partner schon vor der Tür steht und vielleicht schon im Bett lag.
  3. Sex.
    Eine unzufriedene Beziehung ist billiger als ein Puffbesuch. Man hat vielleicht keinen berauschenden oder großartigen Sex, aber hey, man hat Sex. Wenigstens ab und zu.5 Zumal man für die sexuelle Befriedigung ja auch immer einen anderen Menschen braucht. Womit wir wieder beim Alleinsein sind. Und einem Hoch auf Selbstbefriedigung und sexuelle Unabhängigkeit.
  4. Hoffnung
    “Es wird ja alles besser.”, sprach sie und wieder war ein Jahr änderungslos vergangen. Hoffnung ist eine schöne Sache, aber zugleich das größte Übel, zumindest, wenn sie nicht mit Handlungen und Veränderungen einher geht. Bloße Hoffnung alleine ist nichts wert.
  5. Gewisse Persönlichkeitsausprägungen.
    Es gibt Menschen, die schauen eher auf andere als auf sich selbst. In Beziehungen sind das bei entsprechender Asymmetrie die, die den anderen glücklich machen, selbst aber unzufrieden sind. Die, welche (primär) die Stabilität ins Spiel bringen und bei denen der Leidensdruck nicht groß genug ist und die ihre Bedürfnisse und im schlimmsten Fall sich selbst für den Partner aufopfern. Und Hoffnung haben. Und/oder vermeintlich zu hohe Ansprüche.6

Auch diese Liste ist mit Sicherheit nicht erschöpfend, aber es soll ja keine neverending story werden. Daher vielleicht zu der wohl wichtigsten Frage:

Wie gehe ich mit einer stabil-unzufriedenen Beziehung um?
Ganz ehrlich? Diese Frage kann sich wohl nur jeder beziehungsweise jedes Paar selbst beantworten, sofern es sich dieser Frage stellt. Die Antworten finden sie bereits in diesem Text. Basierend auf eigenen Erfahrungen schildere ich kurz einige “protoypische Verläufe”:

  1. Hoffen und sterben.
    Abwarten, Verständnis haben, innerlich langsam zerrissen werden, nichts tun. Das restliche Leben mit dem Partner, mit dem man eine unbefriedigende Beziehung führt, verbringen. Im besten Fall geht es vorher gar nicht mehr, das Fass läuft über und man trennt sich. Wenn man eine Beziehung derart kaputtwirtschaftet, fällt der andere Mensch danach meistens aus dem (aktiven) Leben. Mindestens für denjenigen, der mit der Beziehung unzufrieden war. Wenn man es bis zum bitteren Ende führt, sind es bis dato aber meist beide.
  2. Kommunizieren und verändern.
    Reden. Sagen, wie man sich was vorstellt. Zuhören und verstehen, wie der andere das sieht. Beide Sichtweisen miteinander vereinigen, verschmelzen, auf den anderen zu gehen, glücklich werden. Wenn das nicht passiert, zu Hoffen und sterben. wechseln oder die Beziehung nach einer gewissen Zeit und Nichtveränderung vernünftigerweise vorher mit einem klaren Cut beenden. Nicht Freunde bleiben, aber vielleicht versuchen zu werden. Irgendwann ein paar Jahre später.Allein sein. Dazu lernen. Neu versuchen. GoTo Anfang.

    Hoffentlich irgendwann – “den” – einen passenden Partner finden, kennen lernen, verstehen, lieben, binden. Frei lassen und halten. Die Umwelt nach den eigenen Vorstellungen erschaffen, dauerhaft großartigen Sex haben, kleine Babies in die Welt setzen, mit den Herausforderungen des Alltags und des Älterwerdens umgehen, Enkeln die Welt erklären, gemeinsam glücklich einschlafen und sterben.7

    GoTo Anfang.

  3. Sonstiges
    Fremdgehen, belügen, betrügen, Vorwände suchen, schaffen, Paartherapeuten aufsuchen, was auch immer. Die Möglichkeiten sind vielfältig – und fallen eigentlich im weitesten Sinne mit in oben genannte Kategorien.
    Sollte der geneigte Leser an externer Unterstützung interessiert sein, biete ich mich gerne an. Entsprechend ernst gemeinte Anfragen bitte per email an mich. Mittlerweile bin ich sogar schon bereit mich dafür bezahlen zu lassen.8

Spannende Geschichte. Ergänzungen, Anmerkungen, Nachfragen, Angebote bitte in die Kommentare oder auf anderem Weg mir zukommen lassen.

Robby, ist nicht Sinn der Sache

  1. Okay, ich habe für die sichere Basis zumindest noch mal kurz durchgeblättert. Die korrekte Bezeichnung lautet übrigens unzufrieden – stabil. Zum Glück bin ich in der Lage auch mit Synonymen zu leben, auch wenn unglücklich stärker als unzufrieden ist usw. usf. []
  2. Unabhängig von der Frage, ob diese angemessen sind, oder nicht. []
  3. Anfänger… []
  4. Wobei diese dann wohl allles daran setzen diese Umstände zu ändern und nicht wirklich unzufrieden miteinander sind ;) []
  5. Falls nicht, muss die Beziehung… nun ja. []
  6. Was zutreffen kann, aber nicht muss. []
  7. Oh man, nicht vorzustellen… []
  8. Bezogen auf Unterstützung zur Entscheidungsfindung, nicht für Sex. Wobei… Geld könnte ich dafür mit Sicherheit auch verlangen *fg* []

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2 Responses to “unglücklich-stabil”

  1. on 07 Mrz 2011 at 19:45 weinja

    Eine echt gute Zusammenfassung. Ich muss sagen dass Du 100% Recht hast. Ist schon verrückt. Es hört sich an als ob Du in dem Bereich Fachmann bist. Mich würde mal interessieren ob du in dieser Situation selbst steckst?

  2. on 07 Mrz 2011 at 19:48 Robby

    Ich war mal so frei den Werbelink zu entfernen.


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