Irgendwann schrieb ich mit Sicherheit, dass Fremdgehen ja nicht gleich Fremdgehen ist und der Grund des Handelns mindestens einen Unterschied für einen selbst macht. Wo ich die Ansicht vertrat, dass die Befriedigung des anderen erstens etwas anderes ist als triebgesteuerte Notgeilheit und zweitens nicht mit Verletzenwollen o.ä. des eigenen Partners einhergehen. In der letzten Zeit fand ich zu der Thematik einige neue Impulse.
Ich glaube, das Entscheidende beim Fremdgehen ist nicht einmal der Sex. Zumindest kam ich zu dem Schluss, als ich mir lebhaft eine Szene ausmalte, in der meine Freundin mich betrügt. Das war alles andere als angenehm, weit davon entfernt, ehrlich gesagt zum Kotzen. Der Grund: Ich war in der Situation vollkommen unbeachtet, irrelevant. Quasi nicht-existent.
Nun ist es unumgänglich, dass man nicht ständig im Aufmerksamkeitsfokus des Anderen steht. So etwas wäre vielleicht schön, gleichzeitig aber für das Verfolgen anderer Ziele, beispielsweise beruflicher Natur, absolut hinderlich und kontraproduktiv. Aber wir können uns zumindest die Illusion machen, dass andere “ständig” an uns denken, mit uns verbunden sind und derlei Dinge. Selbst, wenn weder sie noch wir es tun. Wichtig ist nicht, was ist, sondern was man wahrnimmt und glaubt. Das “betrogen werden” bedroht diesen Glauben allerdings massivst, zerpflückt ihn regelrecht in der Luft. Es ist die Manifestation des Satzes “Du bist mir scheiß egal und ich denke nicht an dich.”, was im Alltag notwendig ist, in dieser Greifbarkeit aber einfach nur zerstörerisch wirkt. Kann man sonst derartigen Gedanken und Ängsten ausweichen, ist der Akt des Fremdgehens der auf einen zurasende Vorschlaghammer, der einen mitten in die Fresse trifft. Es erzeugt eine Diskrepanz. Auf der einen Seite steht “Du bist mir unheimlich wichtig.”, auf der anderen “Ich dir scheinbar nicht.”. Keine ausgeglichene Konstellation.
Menschen scheinen damit ein Problem zu haben. Zumindest habe ich das, derart anfällig wie ich für (Nicht-)Aufmerksamkeit in mir wichtigen Beziehungen bin. Da braucht es kein Fremdgehen, dafür gibt es genug andere empfindliche Stellen und Interpretationsmuster. “Es geht nicht immer nur um dich.” ist darauf eine durchaus gerechtfertigte Reaktion, die es aber nicht besser macht. Damit besser umzugehen… well, work in progress.
Stellt sich die Frage, inwieweit der Einbezug des Partners daran etwas ändern kann. Zum Beispiel denke ich, dass (funktionierende) sexuell offene Beziehungen oder gemeinsame Swingerclubbesuche ein tiefstes Vertrauen, Verständnis und Loyalität einander gegenüber bedingen. Nicht, dass ich damit zu meinem jetzigen Entwicklungsstand umgehen könnte, aber wenn eine Partnerschaft eine derartigen Freiheitsgrad erreicht, würde ich sie fast als unkaputtbar ansehen. Unabhängig davon, ob man die gegebenen Möglichkeiten dann nutzt oder nicht.
Ich hatte jedenfalls mal einen Traum, in dem eine Frau mit mir schlafen wollte, es extremst darauf angelegt hat und ich zu ihr meinte, sie solle meine Freundin fragen. Ich glaube, sollten derartige Angebote im realen Leben auftauchen und ich nicht von mir aus eine klare Grenze ziehen können, würde ich genau dieses Reaktionsmuster an den Tag legen: “Hier ist mein Handy, frag meine Freundin, ob du mit mir schlafen darfst.”
Hmm, ich glaube, damit würde ich es mir ziemlich leicht machen. Aber ein klares “Ja.” oder “Nein.” würden dann (für alle) die Spielregeln klarmachen. Wer weiß, vielleicht gibt es ja gute Gründe, warum eine Frau eine andere Frau mit ihrem Freund schlafen lässt. Das per se auszuschließen… fragen kann man ja. Und das alleine zeugt in meinen Augen von Vertrauen. Wenn man sich dann an das wahrscheinliche “Nein.” hält, sehe ich darin kein Problem. Selbst, wenn es immer ein “Nein.” ist. Wobei Voraussetzung dafür erst einmal Angebote sind, die auch die eigene Nachfrage bedienen. Aufgrund meines hohen Anspruchs ist das Eintreten einer solchen Situation demnach nahezu ausgeschlossen. Bei den meisten Frauen reicht es mir, wenn ich ihnen ein wenig den Kopf verdrehe. Mit ihnen danach ins Bett zu gehen, ist nicht unbedingt nötig.
Naja, wie dem auch sein. Beziehungen zwischen Menschen sind und bleiben ein interessantes Thema. Ich bin gespannt, welche Verläufe sich in meinem Leben in der Hinsicht noch öffnen. Eine Mischung aus Angst und Vorfreude, aber gerade derartige Ambivalenzen machen ja das Leben aus.
Robby, all eyes on